hobit - Informationen zu Studien- und Ausbildungsmöglichkeiten in Darmstadt und der Region
Hinter den Kulissen

»Wir versuchen, nah dran zu sein an der Realität der Schüler«

Wie Andreas Gnass und die kreativen Köpfe von U9 das Gesicht der hobit jedes Jahr neu gestalten

Wer denkt sich eigentlich jedes Jahr den Slogan für die hobit aus und wer gestaltet die Plakate? Dahinter stehen seit 1997 Andreas Gnass und sein Team. Sie nennen sich U9 visuelle Allianz und arbeiten in einem gemeinsamen Büro in Offenbach. Gnass (39) ist Diplom-Designer und Absolvent des Fachbereiches Gestaltung der Hochschule Darmstadt (h_da).

Sie haben schon als Student das erste hobit-Plakat entworfen.Wie kam es dazu?

Als die hobit damals  in den Anfängen steckte, wandten sich die Veranstalter 1997 an den Fachbereich Gestaltung der Hochschule Darmstadt und fragten nach Studierenden, die ein erstes Plakat für die Messe entwerfen könnten. Meine damalige Professorin Sandra Hoffmann empfahl Brita Wiesbach und mich. Das war gleich nach dem Vordiplom.

Und daraus entstand später auch Ihr Büro U9 visuelle Allianz? Mit der hobit als Starthilfe?
Ja, die Messe war damals unser erster Kunde. Die hobit war noch »klein« und wir auch. Mittlerweile arbeiten wir seit 17 Jahren in dieser Konstellation zusammen, zunächst freiberuflich, seit dem 1. Januar 2000 als GmbH. Unser festes Team besteht aus fünf kreativen Köpfen. Für bestimmte Aufträge holen wir uns aber noch Freie dazu – aus den Bereichen Film, Musik, Foto oder Text. Wir haben ein breites Spektrum, darunter sind neben der hobit als unserem ältesten Auftraggeber auch kleine und große Kunden wie etwa Samsung oder Fiat. Wir kümmern uns um Corporate Design, um Kommunikationskonzepte oder auch Internetseiten.

U9 – das klingt wie die Rockband U2. Ist es eigentlich schwer, einen originellen Agenturnamen zu finden? Und wofür steht er?
Das ist unser kleines Geheimnis (lacht). U9 lässt Raum für Spekulationen und das finden wir gut. Den Namen haben wir uns gleich 1997 nach – zugegeben – einigem Kopfzerbrechen ausgedacht. Wichtig war für uns jedoch, dass nicht eine Person mit ihrem Namen im Vordergrund steht, sondern das Team, das gemeinsam nach Ergebnissen strebt.

Wie wird man eigentlich Diplom Designer? Wollten Sie das schon als Kind?
Ja, beinahe. Die Passion für Design und die Neugierde, wie Kommunikation gestaltet wird, die hatte ich bereits in der Schule in Kassel. Schon meine Schulhefte waren voll mit Kritzeleien und Entwürfen. Ich wusste mit 16, dass ich Designer werden will und habe nach der Schule ein einjähriges Praktikum in einem Designstudio in Darmstadt gemacht. Dieses Praktikum hat meinen Wunsch dann noch verfestigt.

Ergab sich daraus auch der Wunsch an der Hochschule Darmstadt Gestaltung zu studieren?
Die Verbindung nach Darmstadt bestand bereits. Daher beschloss ich, mich hier um einen Studienplatz zu bewerben und auf der Mathildenhöhe zu studieren.

Damals gab es den Studiengang Kommunikations-Design, heute gibt es diverse Studienrichtungen im Bereich der Gestaltung. War es schwer, das richtige Fach zu finden? Eine hobit gab es ja noch nicht.
Nein, die hobit gab es leider noch nicht. Ich musste mir meine eigene hobit suchen. Die hieß in diesem Fall »Design Zentrum Hessen« und lag auf der Mathildenhöhe. Dort habe ich Gespräche geführt, mich informiert und recherchiert. Mit der damaligen Leiterin habe ich mich über Studiengänge und Hochschule ausgetauscht.

Haben sich ihre Vorstellungen vom Studium erfüllt?
Ich wusste immer, was ich machen wollte und habe nie zwischen den Stühlen gesessen. Die derzeitige Vielfalt der Ausbildungswege und Studiengänge gab es damals noch nicht. Mein Beruf hat sich heute sehr aufgefasert. Das ist gut, aber ich habe damals nichts vermisst. Klar, es gibt immer Licht und Schatten. Das ist vermutlich in jedem Studium so. Doch am Fachbereich Gestaltung  lehrten sehr inspirierenden Persönlichkeiten.

War für Sie schnell klar, nach dem Studium selbständig zu arbeiten statt beispielsweise in der Designabteilung eines Unternehmens?
Das wusste ich sehr früh und ist sicherlich meinem eigenen Anspruch geschuldet, Dinge bewegen, in die Hand nehmen zu wollen. Und dann kam eben auch der erste Auftrag von der hobit schon während des Studiums.

Können Sie sich noch an diesen ersten hobit-Plakatentwurf erinnern?
Darauf war eine sehr große Jahreszahl zu sehen. Der Entwurf war damals noch sehr, sagen wir mal, gestaltungslastig. Heute geht es uns zunehmend darum, Geschichten zu erzählen oder Entwicklungen zu kommentieren. 2015 etwa ist der Slogan »Zukunft kann man nicht googeln«. Wir haben über die Jahre versucht, Diskussionen oder Debatten anzustoßen oder Teil davon zu sein.

Und auch neue Kommunikationswege aufzubauen und zu nutzen?
Ja, wir gestalten die Plakate, die Flyer, bieten den Besucherinnen und Besuchern aber auch Facebook- oder Homepage-Auftritt. Wir sehen, dass diese gedruckten Medien oder Online-Medien genutzt werden und begreifen das als Kompliment. Ich denke, der enorme Erfolg der hobit ist sicherlich auch eine kleine Erfolgsgeschichte der Kommunikation.

Ist es schwer sich jedes Jahr neue Themen, Auftritte oder Plakate auszudenken?
Nein, im Gegenteil. Die Welt, die Gesellschaft entwickelt sich, also bekommen wir auch immer wieder neue Impulse für Kreationen. Wir versuchen, nah dran zu sein an der Realität der Schüler. Wir lesen viel über diese Zielgruppe, wir beobachten, wir haben die Kommunikationswelt und die gesellschaftlichen Strömungen im Blick. Das ist wichtig, nicht nur für die hobit, sondern eigentlich für alle unsere Projekte. Wir nehmen feinste Strömungen wahr – wie ein Seismograph. Das ist Alltag, das ist wie atmen.

Gibt es ein hobit-Motiv, das Ihnen im Laufe der Jahre besonders gefallen hat?
Das war sicherlich das Motiv »Aus Euch wird nie was – und wenn doch, was?«, dazu das Bild zweier gelangweilter Teenager. Das war das klassische und immer wiederkehrende Thema Eltern und Nachwuchs, das ein großes Konfliktpotenzial in jeder Familie bietet.

Wie groß ist der Aufwand für die hobit-Kampagne?
Wir machen jedes Mal in der Agentur eine Art kleinen, internen Wettbewerb und jeder präsentiert seine unterschiedlichen Konzepte. Die hobit ist ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit und begleitet uns das ganze Jahr. Wir nehmen die Arbeit ja gleich nach der hobit für die nächste Messe wieder auf. Wir gestalten für drei Veranstaltungstage, aber das Thema bewegt uns elf Monate lang.

Wie würden Sie das aktuelle Thema »Zukunft kann man nicht googeln« kommentieren?
Es klingt so einfach, löst aber direkt eine Auseinandersetzung mit der Frage aus, wie sie denn sein wird, die Zukunft. Im Allgemeinen und die Persönliche. Und ganz nebenbei sind Google & Co. ja dabei vorherberechnen zu wollen, was kommt. Welche Trends, welche Epidemien, welche Handlungen. Wenn das hobit-Motiv den Prozess des Nachdenkens über das Thema Zukunft auslöst, dann haben wir als Gestalter schon eine Menge erreicht.

Was können Sie den hobit-Besucher/innen raten?
Die hobit ist ein Geschenk. Wenn es sie nicht gäbe, müsste sie erfunden werden. Die Besucher können mit Studienvertretern oder Firmen direkt reden, Studiengänge vergleichen, Vorträge anhören. Wenn man das intensiv nutzt, ist das sicherlich sehr anstrengend, aber eine große Hilfe. Ich rate den Schülerinnen und Schülern diese Chance zu ergreifen und auch Energie in die Vorbereitung zu stecken, sich zu fragen, was interessiert mich. Auf der hobit lassen sich die Antworten darauf finden.

Das Interview führte Astrid Ludwig


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Autor: Astrid Ludwig
Datum: 17.11.2014

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