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Auf in die Hörsäle

Das Studierendenwerk Darmstadt will mit Studium+M Jugendlichen mit Migrationshintergrund den Weg in die Hochschulen ebnen

Trotzdem?! studieren.
Trotzdem?! erfolgreich sein.
Unter diesem Titel stellen wir Menschen vor, die ihren Weg trotz schlechterer Startbedingungen, Beeinträchtigungen, sprachlicher oder kultureller Unterschiede finden und auch die Menschen, die ihnen dabei helfen.

 

Erstmals ist das Studierendenwerk Darmstadt auf der hobit mit einem Projekt vertreten, das sich speziell an Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund und ihre Eltern wendet. „Studium+M“ soll ihnen die Türen zu den Hochschulen und Universitäten öffnen.

Sie sind noch immer eher die Ausnahme. „In den höheren Bildungsstufen und in den Hochschulen sind Jugendliche mit Migrationshintergrund unterrepräsentiert“, schildert Christina Wendt die aktuelle Situation. Und auch wenn sie es auf den Campus und in die Hörsäle geschafft haben, „kämpfen diese Studierenden oftmals mit erschwerten Bedingungen, die einen erfolgreichen Abschluss gefährden“, sagt die Leiterin des Darmstädter Pilotprojektes Studium+M. Wendt arbeitet im Bereich „Interkulturelles“ beim Studierendenwerk Darmstadt. Seit 2012 hat sie die Abteilung aufgebaut, die sich hauptsächlich um internationale Studierende an der Hochschule und der TU Darmstadt kümmert.

Christina Wendt und das Studierendenwerk wollen mit dem neuem Pilotprojekt jetzt verstärkt diese Schüler und vor allem die Eltern ansprechen. Denn auf die kommt es meistens an: „Wenn Mütter und Väter motiviert werden können, wenn sie sehen wie viele Chancen ein erfolgreiches Hochschulstudium bietet, dann ist viel gewonnen“, sagt Wendt.

Auf der hobit locker ins Gespräch kommen

Auf der hobit und bei der Elternhobit hofft sie in Kontakt mit ihnen zu kommen. Mit einem Stand wird Studium+M auf der Messe vertreten sein. Mit dabei: Ein Team aus internationalen Studierenden. Sie sollen helfen, die Eltern und Schüler auch vermehrt in ihrer Heimatsprache anzusprechen. Mütter und Väter können sich untereinander austauschen und Jugendliche ihre persönlichen Studienerfahrungen weitergeben. Die quirlige hobit, hofft Wendt, „ist eine gute Gelegenheit, auf lockere Weise ins Gespräch zu kommen“. Auch wenn Flüchtlingsfamilien kommen sollten, deren Kinder hier ein Studium fortsetzen wollen, gibt Christina Wendt gerne Ratschläge, soweit das möglich ist.

Darmstadt ist eines von fünf Studierendenwerken bundesweit, das beim Wettbewerb Studium+M der Stiftung Mercator mit seinem Projekt erfolgreich war. „Vielfalt Leben – vom Ihr zum Wir“ lautet der Titel des Konzeptes, mit dem Christina Wendt und ihre Kollegin Ursula Lemmertz überzeugten. Drei Jahre lang werden die Darmstädter nun mit rund  214 000 Euro von der Stiftung unterstützt, bundesweit gibt die Stiftung insgesamt bis zu 1,34 Millionen Euro. Die Studierendenwerke beteiligen sich ebenfalls in kleinerem Rahmen. Studium+M soll die aktuelle Situation von Jugendlichen und Hochschülern mit Migrationshintergrund analysieren und „Handlungsansätze entwickeln, die ein erfolgreiches Studium fördern“, sagt Wendt. Und diese Empfehlungen sollen möglichst bundesweit übertrag- und umsetzbar sein.

Familien direkt ansprechen

Finanziert wird eine Analyse des Status Quo in der Stadt und im Landkreis. Das ist ein wesentlicher Teil des Darmstädter Pilotprojektes. Welche ähnlichen Angebote oder Ansprechpartner gibt es? Ziel des Projektes ist die Vernetzung von Jugendlichen und Eltern mit und ohne Migrationshintergrund. Wendt steht im Austausch mit Schulen, Hochschulen, dem Landkreis Darmstadt-Dieburg, der Stadt Darmstadt oder der Interessensgemeinschaft der Migranten-Selbstorganisationen. Sie hat bereits gemeinsame Workshops und Studienreisen initiiert.

Über die Interessengemeinschaft der Migranten-Selbstorganisationen in Darmstadt hofft Christina Wendt beispielsweise Familien direkt ansprechen zu können. „Wir wollen die Hürden kennen, die Eltern für sich und ihre Kinder bei einem Studium sehen. Was ist den Familien und Schülern wichtig? Wollen die Eltern, dass die Kinder zuhause wohnen bleiben, fürchten sie durch das Studium eine Entfremdung? Ganz häufig, weiß die gelernte Betriebswirtin, die sich als systemischer Coach und interkulturelle Trainerin weiterqualifiziert hat, sind nicht nur kulturelle Unterschiede, sondern das Geld ein entscheidender Faktor. Ein Studium erscheint zu teuer. „Viele wissen gar nicht, dass es BaföG gibt“, sagt Wendt.

Zu wenig Wissen über den Alltag

Doch auch, wenn internationale oder Studierende mit Migrationshintergrund bereits an der Hochschule oder Universität sind, treffen sie oftmals auf mehr oder ganz andere Probleme als ihre Kommilitonen. „Ich staune immer wieder“, berichtet Christina Wendt, „wie wenig wir über ihren Alltag wissen.“ Manche müssen auf Geschwisterkinder aufpassen, andere haben kein eigenes Zimmer und können erst am Abend spät in Ruhe lernen. „Auch haben sie öfter Schwierigkeiten, einen Job zu finden. Ein Studium erfolgreich abzuschließen, fällt unter diesen Umständen schwer.“

Interkulturelles Tutoren-Team

Wendt ist der Dialog wichtig: „Kennenlernen, zuhören, verstehen“, ist ihre Devise. Auch weil die h_da und die TU immer internationaler werden und der Anteil der ausländischen Studierenden steigt, hat sie seit Sommer 2013 beim Studierendenwerk ein Interkulturelles Tutoren Team (ITT) aufgebaut, um Orientierungshilfen zu bieten. Mit neun Studierenden der Hochschule und der TU Darmstadt fing das Tutoren-Programm an. „Heute sind wir 32 Tutoren aus 14 Nationen, die 40 Veranstaltungen für Studierende in Deutsch und Englisch anbieten.“ Pro Jahr erreichen sie gemeinsam über tausend Studierende. Das Tutoren-Team, sagt sie, steht auch jugendlichen Flüchtlingen offen, die nach Darmstadt kommen und hier studieren wollen.

Interessierte können sich direkt an Christina Wendt wenden. Sie berät oder stellt Kontakte her, auch mit einem Übersetzer an ihrer Seite, wenn nötig. Sie ist auf dem Gäste Campus der hobit zu erreichen, c.wendt@studentenwerkdarmstadt.de, Tel: 06151/163921, www.studiumplusm.de.


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Autor: Astrid Ludwig
Datum: 25.11.2015

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