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Die hobit ist jedes Jahr anders

Fragen an Projektleiter Bernhard Meyer

 

Seit zehn Jahren ist Bernhard Meyer, emeritierter Professor der Evangelischen Hochschule Darmstadt, Projektleiter der Darmstädter Hochschul- und Berufsinformationstage. Er hat die Messe für Schüler/innen von Beginn an miterlebt und mitgestaltet. Hier berichtet er über seine Erfahrungen und die des hobit-Teams.

 

Die hobit wird 19 Jahre alt. War die Messe von Beginn an auf eine solch lange Laufzeit angelegt oder kam das unerwartet?
Am Anfang war es einfach ein Versuch. Keiner von uns hatte eine solch lange Laufzeit im Hinterkopf. Unser Horizont reichte in der Anfangsjahren nur jeweils bis zur nächsten hobit. Heute ist die Messe Ende Januar selbstverständlich geworden, und inzwischen schauen wir weniger auf die Quantität als auf die Qualität.

Sie sind einer der Väter der Hochschul- und Berufsinformationstage. Was hat Sie damals dazu bewogen?
Ich bin zwar von Anfang an dabei, aber die hobit war nicht meine Idee. Ausgangspunkt waren die Erfahrungen der Studienberater der Technischen Universität Darmstadt, der Hochschule Darmstadt und der Agentur für Arbeit. Bis dahin hatten sie sich immer nur an wechselnden Schulen getroffen und dort immer nur Ausschnitte aus dem Angebot sichtbar machen können. Entstanden ist die hobit daher aus einer Art Unzufriedenheit, nicht alle Schüler mit möglichst vielen Informationen erreichen zu können. Daraus resultierte die Idee, es einfach anders herum zu machen: Nicht an die Schulen zu gehen, sondern die Schulen an einen Ort einzuladen.

Die Zahl der Aussteller und Besucher ist seither rasant gewachsen. Hätten Sie 1997 mit so einem Erfolg überhaupt gerechnet?
Die erste hobit hatte etwa 4000 Besucher im Luisencenter in Darmstadt. Darauf waren wir mächtig stolz. Als der Umzug in die Sporthalle am Böllenfalltor notwendig wurde, stiegen auch die Besucherzahlen. Die Anzahl der Messestände nahm zu und die Vorträge ebenfalls. Der Unternehmerverband hatte ein eigenes Gastzelt, später wurde er dann Mitveranstalter. 2013 und 2014 kamen zur hobit  fast 20000 Schüler, Schülerinnen und auch Lehrkräfte. Daran hätten wir anfangs nicht im Traum gedacht.

Die hobit ist mehrfach umgezogen. War der Einzug ins Kongresszentrum darmstadtium eine einschneidende Wende?
Wir haben uns den neuen Gegebenheiten vorsichtig und mit eher mulmigem Gefühl genähert. Inzwischen haben wir uns in dem Gebäude mit seinen schwierigen Gegebenheiten aber eingerichtet. Der Architekt hat ja eigentlich ein Museum gebaut,  kein Gebäude, das auf eine Bildungsmesse wartet. Die Nachteile gleichen aber die Mitarbeiter hervorragend aus. Mit den vielen Besuchern, die 250 Vorträgen lauschen  und sich an 100 Informationsständen, darunter 25 von Gästen, schlau machen können, haben wir das darmstadtium maximal ausgenutzt. Mehr geht nicht mehr.

Was mussten Sie als Veranstalter lernen?
Zum Beispiel, dass der dominante Kommunikationsweg heute das Internet ist. Auf der Homepage der hobit gibt es neu die Funktion »myhobit«, mit der jeder sich individuell sein eigenes Programm zusammenstellt. Oder wir mussten lernen, wie man diese Vielzahl, die Masse an Besuchern, in einem so großen Gebäude lenkt. Am Anfang haben wir viel improvisiert, aber je größer eine solche Messe ist, umso professioneller muss das ablaufen. Wir haben uns etwa von einem Wissenschaftler in Panik-Psychologie beraten lassen. Er hat uns darin geschult, wie die Besucherströme bei Wartezeiten vor Vortragssälen gelenkt werden sollten.

Und wie?
Immer von der Seite an den Raum heranführen, nie frontal. In all den Jahren gab es keine großen Zwischenfälle bei der hobit. Das hatten wir immer gut im Griff. Dennoch haben wir jetzt ein neues Leitsystem mit Farben und Buchstaben eingeführt, damit Helfer im Notfall den Standort schnell bestimmen und vor Ort sein können.  

Welches Feedback, welche Resonanz erhalten Sie als Veranstalter und arbeiten Sie die fürs nächste Jahr dann immer auch ein?
Die hobit war, ist und bleibt eine Baustelle. Eigentlich laufen wir seit 19 Jahren den Erfahrungen hinterher. Jeder positive und negative Hinweis ist eine Aufforderung, es beim nächsten Mal besser zu machen und vermutlich wird es nie eine hobit geben, wo wir sagen, diesmal war alles prima. Die Messe ist eine logistische Herausforderung. Jedes Jahr wechselt das Publikum. Was in diesem Jahr der Renner war, muss es nicht auch im nächsten Jahr sein. Wie häufig ein Vortrag gehalten wird, welche Raumgröße dafür zur Verfügung steht, das wird jedes Jahr angepasst. Und auch die Anordnung und das Aussehen der Messestände wandelt sich.

Was ist bei der nächsten hobit besonders?
Die Stände sind erneut thematisch arrangiert und das komplette Angebot auf neun Campus-Areale verteilt. Es gibt etwa einen Campus für Ingenieur- und Wirtschaftsberufe und Studiengänge, einen für Medien-, Ingenieur- oder auch für Natur- oder Geisteswissenschaften. Wir haben die Themen gebündelt, damit sich die Schüler/innen besser und schneller zurecht finden.    

Haben Sie Kontakt zu Schülern und Studenten? Welche Biografien hat die hobit angestoßen?
Wir haben im Laufe der Zeit gelernt, was die hobit alles bewirkt. Da sind die einen, die genau wissen, was sie wollen, aber auf der hobit davon abrücken. So mancher entdeckt  Alternativen zu seinem Zukunftsziel. Für wiederum andere ist die hobit ein Weckruf, sich um die nahe eigene Zukunft zu kümmern. Wer die hobit besucht, hat Absichten. Die desorientierten Touristen nehmen deutlich ab.

Aber die Besucher und Schüler werden jünger.
Ja, das stimmt und ist eine Folge von G8. Viele der G8 Schüler sind in ihrer inneren Biografie noch nicht so weit und sind noch unentschlossen, gehen lieber noch ein Jahr ins Ausland, bevor sie sich entscheiden. Zugenommen hat auf der hobit daher auch die Zahl der Stände, die über ein Freiwilliges Soziales Jahr, Au Pair oder Work and Travel oder etwas in der Richtung informieren. 

Was raten Sie den jungen hobit-Besuchern heute?
Diese Botschaft ist über 19 Jahre konstant geblieben: Es ist deine Zukunft. Lernen braucht Motivation, also mach das, was dich motiviert. Erfahrungen von Erwachsenen, Hinweise auf sichere Arbeitsplätze sind Wechsel, die bereits zum Ende des Studiums oder der Ausbildung geplatzt sein können.

Die hobit ist 19 Jahre alt, Sie mittlerweile emeritiert. Die Messe ist ein Haufen Arbeit, was treibt Sie an, weiter zu machen statt im Liegestuhl zu liegen?
Die Mitarbeiter aus der TU, der Hochschule, der Evangelischen Hochschule, der Agentur für Arbeit und dem Unternehmerverband und der Agentur U9 (die mal studentisch in Darmstadt begonnen hat) arbeiten ein Jahr lang an einer Premiere, denn jedes Jahr ist die hobit neu. Ein Jahr Spannung, ein Jahr neue Ideen, das motiviert uns. Da vergesse ich oft, dass es Arbeit ist.

Das Interview führte Astrid Ludwig


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Autor: Administrator
Datum: 24.10.2013

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