Archiv

»Die jungen Leute werden da rein gestoßen«

Eltern wollen bei der Berufsfindung helfen und sind dankbar für das Angebot der hobit

Nach 17 Uhr leeren sich die Säle im Darmstadtium merklich. Der erste betriebsame Messetag der hobit geht zu Ende. Das heißt, nicht ganz. Erstmals haben die Initiatoren auch Mütter und Väter  eingeladen und die können nun nach dem offiziellen Messetage entlang der Stände schlendern, mit Ausstellern sprechen und die zwei Informationspodien besuchen, die am frühen Abend noch anstehen.
 

Britta und Torsten Spindler aus Treburg haben es eilig. »Eine Stunde Zeit für die Stände, das ist nicht lang. Wir haben uns viel vorgenommen und zu den Podiumsveranstaltungen wollen wir auch gehen«, erzählt die Mutter einer 16jährigen Tochter, die zum G8-Jahrgang gehört. Gemeinsam mit der Tochter haben sie die Stände ausgesucht, an denen auch sie sich nun informieren wollen. »Wir schauen gezielt nach naturwissenschaftlichen Angeboten«, sagt Torsten Spindler. Die Tochter favorisiert das Fach Chemie. Die Eltern wollen helfen – »als Erwachsener hat man doch einen anderen Blick auf die Dinge als ein junger Schüler«, findet der Vater, der als Finanz-Controller in einem großen Unternehmen arbeitet. Und bei der Fülle des Angebotes auf der hobit sei es gar nicht so einfach, den Überblick zu behalten. Das Paar aus Trebur ist beeindruckt von dem breiten Spektrum. Sie waren schon in Mainz auf einer ähnlichen Messe, »aber das hier ist noch eine Etage drüber«, sagt Britta Spindler. Am Wochenende wollen sie mit ihrer Tochter nun ausführlich ihre Darmstädter Eindrücke beraten. 


Ulrike Kemp aus Babenhausen hat eine Liste dabei, die sie abarbeiten will. Gerade hat ihre Tochter nochmals auf dem Handy angerufen und sie zu einem Stand der Kunststoff-Techniker geschickt. »Der hat ihr gut gefallen und ich soll mir anschauen, ob das etwas für sie wäre«, erzählt die Mutter der G8-Schülerin. Auch Broschüren über Sportwissenschaften, Bundespolizei und Archäologie hat Ulrike Kemp schon in der Hand. Die Richtung der Tochter scheint noch nicht eindeutig, die Mutter hofft beraten zu können. »Wir diskutieren das Für und Wider«, berichtet sie. Ulrike Kemp hat eine Ausbildung als technische Zeichnerin gemacht und anschließend Maschinenbau studiert. »Heute gibt es aber so viele Studiengänge, wo man gar nicht weiß, was sich dahinter verbirgt«. Für junge Menschen sei die Entscheidung schwer. Sie hätte daher auch gar nichts dagegen, wenn die Tochter, nach dem Abi erst 17, noch ein Jahr als Au-pair-Mädchen ins Ausland geht. Auch diese Broschüre hat sie schon im Gepäck.


Armin Kabel aus Roßdorf hat Kontakte zu ein paar Hochschulen und hofft, seinen Sohn bei der Berufs- und Studienwahl unterstützen zu können. Er selbst hat Betriebswirtschaft studiert, »aber ich wusste als junger Mensch auch länger nicht, was ich machen wollte, und heute sind die Jugendlichen ja noch zwei Jahre jünger als wir damals«, sagt er. Daher ist es für ihn und seine Frau selbstverständlich, dass bei der Entscheidungsfindung auch die Eltern »an Bord sind«.  »Die jungen Leute werde da ja rein gestoßen«, findet er. Klar ist aber bereits, ihr Sohn will in Richtung Naturwissenschaften, Mathematik oder Wirtschaftspsychologie gehen. In zwei Jahren dann können die Kabels ein ähnliches Programm für die Tochter absolvieren. Die ist heute 14 Jahre alt. Dann trifft man die Eltern aus Roßdorf vielleicht wieder auf der hobit.


Nicole und Hans Stefan aus Weiterstadt sind auf der Suche nach dem etwas anderen Beruf oder Studium für ihre Tochter. »Einen technischen Beruf will sie nicht, eher etwas Extravagantes, vielleicht in Richtung Marketing, Öffentlichkeitsarbeit, Wirtschaftspsychologie«, sagt die Mutter. Doch was steckt hinter all den Studiengängen und Namen, was macht man da später im Alltag und passt das zu dem eigenen Kind? Auf diese Fragen erhoffen sich die Stefans Antworten von der hobit.  Die Tochter fühlt sich vom Angebot der Messe fast schon ein wenig erschlagen. »Wir wollen sie unterstützen«, sagt der Vater. Die Berufe der Eltern, Versicherungs-Fachfrau und Elektrotechnik-Ingenieur, passen für die 16-Jährige so gar nicht.  Die Idee der Elternhobit finden die Stefans daher gut – gerade wenn es das erste Kind ist, das vor der Berufsentscheidung steht, und auch Eltern da noch wenig Erfahrung haben.


drucken
Autor: Astrid Ludwig
Datum: 29.01.2014

Impressum