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»Die Unterschiede sind für mir jetzt klarer«

Über 250 Mütter und Väter kommen zur Elternhobit

»Wir hoffen, dass Sie hinterher schlauer sind, sich besser informiert fühlen, mehr Hintergrund-Wissen haben«. So begründet Messeleiter Bernhard Meyer die Idee der Elternhobit. Erstmals sind auch Mütter und Väter eingeladen. Am ersten hobit-Abend werden zwei Podien zum Thema »Bachelor und Master« und zum Thema »Hochschule, Uni oder Dual – welcher Weg für wen?« angeboten. Die Nachfrage ist enorm: Über 250 Eltern nehmen teil.


Die meisten sind gekommen, um zu erfahren, welchen Hochschultyp sie ihrem Kind empfehlen sollen. Was zeichnet Universität, Fachhochschule oder das Duale Studium aus? Und welche Berufsperspektiven bieten sich mit welchem Studium? Dazu geben Claudia Breuer, Studienberaterin der TU Darmstadt, Mathias Ihrig vom Dualen Studienzentrum der Hochschule Darmstadt und Joachim Carl vom Unternehmen Evonik Auskunft. Aus der direkten Perspektive der Studenten berichten Kerstin Hilbert, die Anglistik und Politik an der TU Darmstadt studiert und Axel Bläske, der ein Duales Informatik-Studium absolviert und bei einem Unternehmen in Darmstadt-Eberstadt angestellt ist.


Die Berater zeichnen die Unterschiede zwischen den Hochschulen bewusst gröber an diesem Abend. Generell lässt sich sagen, dass an der Technischen Universität mit ihren rund 25 000 Studierenden und rund 100 Studiengängen der Schwerpunkt mehr auf der Grundlagenforschung und den theoretischen Zusammenhängen liegt, sagt Breuer. Selbstständiges Denken, Arbeiten und Transferleistungen sind gefragt. Sie empfiehlt Eltern, sich den Youtube-Kanal der TU Darmstadt anzuschauen oder persönlich in die Studienberatung der Uni zu kommen und Fragen zu stellen.


Mathias Ihrig von der Hochschule Darmstadt, die zum Fachhochschul-Typ zählt, berichtet von 13 000 Studierenden und rund 50 Studiengängen. Der Anwendungsbezug, die Praxis steht im Vordergrund. »Wir wollen am Puls der Zeit sein«, sagt er. Gelernt wird überwiegend in kleineren Gruppen. »Ein Audimax-Gebäudi wie an der Uni gibt es bei uns nicht.« Auch er rät Eltern, am besten mal persönlich in der Studienberatung vorbei zu schauen, um sich zu informieren.


TU-Studentin Kerstin Hilbert erzählt, dass sie viel Zeit am Schreibtisch verbringt. »Man muss bereit sein, viel zu lesen. Mit Praxis hat das eher wenig zu tun«, sagt sie. Dennoch hat sie in ihrer freien Zeit viele Praktika gemacht, um Einblicke in mögliche Berufe zu gewinnen.
 

Ein anderes Bild zeichnet Axel Bläske: Er hat Fachabi gemacht. Das berechtigt zu einem Studium an einer Fachhochschule, nicht an einer Universität. Er studiert im dritten Semester Informatik in einem Dualen Studium und arbeitet in einem Unternehmen. Sieben Semester Studium bis zum Bachelor-Abschluss stehen an, davon drei als Praxissemester. Der Vorteil für ihn: »Ich kriege ein Gehalt jeden Monat und kann so mein Studium finanzieren.« Und Berufserfahrung gibt es obendrein.
 

Joachim Carl vom Unternehmen Evonik berichtet, dass ein Duales Studium für Unternehmen teuer ist. In der Regel würden die Absolventen daher anschließend auch in den Betrieb übernommen. »Doch eigentlich brauchen wir alle – Uni-, FH- und Duale-Studien-Absolventen«, betont Carl. Der Fachkräftemangel ist groß.
 

Welcher Weg der richtige ist, das müssen die Schüler jedoch selbst entscheiden, betont Podiums-Moderatorin Annette Wannemacher-Saal, Redakteurin beim Darmstädter-Echo, am Schluss. Schließlich müssen oder sollten sie ein Leben lang Spaß an diesem Beruf haben.
 

Sibylle und Peter Erb sind mit dem Abend zufrieden. Sie sind extra aus Bad König angereist. Nach Standbesuchen und Podiums-Gespräch fühlen sie sich gut informiert. »Das war sehr hilfreich. Die Unterschiede zwischen den Hochschul-Typen sind für mich jetzt klarer«, sagt Mutter Sibylle. Die Familie hat Zwillinge, 18 Jahre alt. Ihnen wollen sie bei der Studienwahl helfen. Die Tochter interessiert sich für Psychologie und Bio, der Sohn eher für den kreativen Bereich. Mutter Erb hat Pädagogik studiert, der Vater Medizin. Vieles hat sich seit dem eigenen Studium verändert. »Ich bin fast ein bisschen neidisch wegen des Dualen Studiums. So etwas gab es bei uns damals nicht und das hätte ich gerne gemacht«, sagt Sibylle Erb.


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Autor: Astrid Ludwig
Datum: 29.01.2014

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