Archiv

Gleichaltrige kommen leichter ins Gespräch

Vor allem Studenten und Azubis betreuen die Messestände

Das kleine, grauschwarze Gefährt folgt den Besuchern über den hellen Parkettboden der Messehalle auf Schritt und Tritt. Ab und zu fährt es auch gegen Beine und Füße, um auf sich aufmerksam zu machen – oder hübsche Mädchen zum Kichern zu bringen. »Folge mir« steht auf einem Zettel, der obenauf klebt. Das Miniautos haben Studenten des Studiengangs Computational Engineering der TU Darmstadt gebaut. Ein Eye-Catcher, der Besucher an den Messestand im ersten Stock des Darmstadtiums lockt. Das können die Kollegen von gegenüber, dem Studiengang Informatiksystemtechnik (IST) der TU, natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Daher haben sie ebenfalls einen fahrbaren Untersatz losgeschickt – mit dem Zettel: »Folge keinem fremden Roboter.«

Ein T-Shirt als Geschenk

Die Lego-Autos der Studenten, die sich unbemerkt vom Handy aus steuern lassen,  kommen bei den Messebesuchern gut an. »Manchmal legen wir auch Studiengangs-Flyer drauf oder Gummibärchen«, lacht Patrick Hentschel. Er studiert IST im 9. Semester, arbeitet an seiner Masterarbeit, und hat sich freiwillig für den Standdienst zur hobit gemeldet. Eine Schicht dauert zwei Stunden. Wer zwei Schichten übernimmt, erhält eines der königsblauen T-Shirts der TU geschenkt. 

Die Hemden, das große Banner mit dem Fußball kickenden Roboter – die Gestaltung des Stands zieht Schüler an. »Wir müssen aber meist erklären, was Informatiksystemtechnik überhaupt ist«, sagt Patrick. Kurz gefasst: Es geht beispielsweise darum, wie Roboter funktionieren. Und, betont Patrick, es geht immer auch um Mathematik. Wer mal reinschnuppern will: Die TU bietet ganztätige Workshops für Schüler für Lego-Fahrzeuge in ihrem Autolabor an, http://www.etit-tu-darmstadt.de/studieren/angebote_fuer_schueler

Der Studiengang stellt bewusst Studenten an den hobit-Stand, um in Kontakt mit den jungen Besuchern zu kommen. »Ich kann mich in die Schüler hineinversetzen. Ich weiß noch gut, wie das war, welche Fragen man hatte. Gespräche mit Studenten sind anders als mit Professoren«, findet Marcel Humm. Er studiert im 3. Semester. Vor zwei Jahren war er selbst hobit-Besucher und fand hier zu seinem Traumfach. 

Auf den Standdienst werden die Studierenden mit Schulungen und Briefings vorbereitet, aber die meisten wollen und brauchen das gar nicht, erzählen die beiden. Sie haben einfach Spaß daran, »ihre Erfahrung als Student einzubringen und weiterzugeben«, sagt Marcel.

Yoda am Hochschul-Stand

Die Kunststoff-Techniker der Hochschule Darmstadt locken mit Yoda-Köpfen aus der Star-Wars-Trilogie, leuchtend bunten Plastikbechern und azurblauen CD-Hüllen. Ihr Stand ist groß und auffällig. Ein Smart-Auto steht dort und zwei Maschinen aus dem Labor. Darunter ein 3-D-Drucker, mit dem sich alles modellieren lässt, was Fantasie und Technik entspringt: Science-Fiction-Figuren, Kugellager, Fahrradketten oder auch Getriebe. »Es funktioniert wie ein Tintenstrahl-Drucker, nur mit hauchdünnen Kunststoff-Fäden«, erklärt Professor Bernhard May. Schicht um Schicht werden so Modelle aufgebaut, die als Prototypen, Anschauungsobjekte oder Ersatzteile einsetzbar sind. Ein paar Stunden braucht der Drucker, bis fertige Modelle entnommen werden können. »Rapid Manufactoring« nennt sich das. 

»Wir wollen die Anwendungsorientierung unseres Studiengangs darstellen«, betont May und schwärmt von der Vielseitigkeit und Einsetzbarkeit des Materials Kunststoff.  Zwei Professoren, ein wissenschaftlicher Mitarbeiter und bewusst auch Studentinnen werben am Stand um jugendliche Besucher. Ein Viertel der Erstsemester in der Kunststoff-Technik, so eine Erhebung, kommt über den Erstkontakt hobit zur Hochschule Darmstadt. Die leuchtend bunten Messeprodukte ziehen Schnäppchenjäger an – vor allem die Becher. Gut, sagt May, »auch das bringt die Schüler an unseren Stand«.

Merck schickt Azubis

Auf moderne Technik und Jugend setzt auch der Merck-Konzern bei der hobit. Neueste gewölbte Flachbild-Fernseher stehen dort, umringt von Merck-Auszubildenden, die die Besucher informieren. »Wir sprechen die Schüler nicht an, nur wenn wir sehen, da traut sich vielleicht jemand nicht«, erzählt Lena Emich, die ein Duales Studium in Verfahrenstechnik bei Merck absolviert. Neun Azubis haben an diesem Nachmittag Dienst. Sie sollen die verschiedenen Berufsgruppen, sechs verschiedene Duale Studiengänge und 18 Ausbildungsberufe bei Merck repräsentieren.

»Als Azubi oder Gleichaltriger kommt man leichter ins Gespräch mit den Schülern«, hat Klaus Kilzheimer, ebenfalls Student für Verfahrenstechnik, die Erfahrung gemacht. Die Azubis haben sich alle freiwillig für die hobit gemeldet. »Das macht Spaß. Man kommt unter Menschen und ich erzähle gerne, was ich mache«, sagt Lena. Die hobit, sagt sie, ist für den Darmstädter Merck Konzern eine der wichtigsten Messen.


drucken
Autor: Astrid Ludwig
Datum: 30.01.2014

Impressum