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Lockere Körperhaltung und ein Lächeln

Dorothee Dienstbühl schult hobit–Helfer in Deeskalation / An der Hochschule kümmert sie sich um Gewaltprävention

Dorothee Dienstbühl, Expertin für Bedrohungsmanagement an der Hochschule Darmstadt, bereitet hobit-Helfer in Seminaren auf ihren Einsatz bei der Messe vor und zeigt, wie sie im Notfall deeskalierend wirken können. 

Dorothee Dienstbühl macht den Kursteilnehmern Mut: „Ihr braucht keine Angst zu haben. Ihr seid nicht überfordert, sondern kompetent. Und außerdem“, scherzt sie, „steht ihr ja nicht vor einer Rockerdisco und gleich kommen die Hells Angels.“ Es geht vielmehr um die hobit und da lief in den vergangenen 19 Jahren alles immer friedlich ab. Das hilft, die Runde lacht und entspannt sich. Ein paar der Seminarbesucher ist tatsächlich etwas mulmig zu Mute angesichts der rund 20 000 Schülerinnen und Schüler, die jedes Jahr die hobit besuchen. Wie geht man als Messe-Helfer und Ordner mit so einer Menschenmasse um? Wie reagieren, falls doch jemand aggressiv werden sollte, weil er nicht mehr in einen überfüllten Vortragsaal hereingelassen wird oder ein Notfall eintritt?

Unsicherheiten, die verständlich sind. Die Kursteilnehmer an diesem Morgen sind im Januar  fast alle zum ersten Mal als Ordner bei der hobit im Einsatz, doch die 33-jährige Soziologin kann sie beruhigen und gute Tipps geben. Die Helfer sind immer zu zweit. Sie empfiehlt eine lockere Körperhaltung und ein Lächeln. „Ihr müsst offen wirken, freundlich.“ Auch wenn eine Negativ-Botschaft zu überbringen ist – wie etwa: Der Saal ist voll. Dienstbühl rät zu neutralen Formulierungen.  Also nicht: „Ich darf euch nicht mehr in den Saal lassen“, sondern besser auf die Bestimmungen verweisen, die das nicht zulassen. „Sonst zieht ihr den Ärger auf euch als Person."

Die Helferinnen und Helfer sollen Selbstsicherheit ausstrahlen, jedoch keine Arroganz. „Ihr habt die Kontrolle über den Raum. Ihr seid die hobit – für alle erkennbar am gelben T-Shirt“, formuliert die Soziologin.  Auch für Dozenten, die die Vortragszeit überziehen oder womöglich enttäuschte Schülerinnen und Schüler, die ihrem Unmut laut Luft machen. Bei Stress, Ärger oder Aggression gilt: Hilfe holen bei der Projekt- oder Messeleitung. „Das ist kein Zivilcourage-Training und es geht auch nicht darum, den Vortragssaal mit ganzem Körpereinsatz zu verteidigen“, betont sie. Oftmals helfe, Alternativ-Vorträge anbieten zu können, weshalb sie rät, das hobit-Programm gut zu kennen.

Ratgeberin für die Sicherheit auf dem Campus

Dorothee Dienstbühl ist geschult in diesen Fragen. In Göttingen hat sie Sozialwissenschaften studiert, unter anderem Seminare in psychologischer Gesprächsführung belegt. Ihr Fokus liegt auf unterschiedlichen Gewaltphänomenen und Extremismus.  An der Hochschule Darmstadt (h_da) ist Dienstbühl für das Bedrohungsmanagement zuständig. Seit Sommer 2014 kümmert sich die Soziologin um Fragen der Sicherheit und Gewaltprävention auf dem Campus der Fachhochschule. Sie ist  Ansprechpartnerin für Ratsuchende, soll ein Netzwerk aufbauen und helfen, Warnsignale für mögliche Konflikte, bedrohliches Verhalten oder Gewalttaten früh genug zu erkennen.

Die h_da zählt neben der TU Darmstadt zu den ersten und wenigen deutschen Hochschulen, die eine solche Stelle hauptamtlich eingerichtet haben – aus leidvoller Erfahrung. Im November 2009 wurde die  Maschinenbaustudentin Büsra G. in einem Computerraum der h_da von einem Studenten niedergestochen und verblutete. So ein Fall soll sich nicht wiederholen. 

Für die hobit übernimmt die Soziologin seit diesem Jahr das mehrstündige Deeskalations-Training der Helfer. Die Bauingenieur-Studentin Laura Fuchs fühlt sich gleich sicherer: „Ich bin froh über das Seminar. Ich habe bisher wenig Erfahrung als Messe-Helferin.“ Dabei sein wollte die 24-Jährige, weil sie selbst vor fünf Jahren extra aus dem Saarland zur hobit anreiste und dort zu ihrem Studienfach fand.

„Es kommen 20 000 Schüler, da will ich nichts falsch machen“, sagt Energiewirtschafts-Student Ben Lüttges. Er ist dankbar für Ratschläge und Verhaltenstipps: „Das nimmt einem die Angst.“ Veronique Rudolf studiert Psychologie und ist in dieser Hinsicht schon ein wenig mehr auf die Helferarbeit vorbereitet. Die letzten Tipps erhofft sie sich von dem Ortstermin im Darmstadtium, der wenige Tage vor dem Start der hobit noch geplant ist.


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Autor: Astrid Ludwig
Datum: 19.12.2014

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