Elternberichte

Auch Mütter und Väter brauchen Orientierungshilfen

Bachelor, Dual oder Ausbildung?

Ines Schmidt ist in der Masse der Besucher als Mutter gleich zu identifizieren, unübersehbar hält sie den Infoflyer der hobit für Eltern in der Hand. Darin sind die nach Themen gebündelten Campus-Areale aufgelistet, samt Plänen und genauem Verzeichnis der Stände. Seit einer Stunde schon schlendert Ines Schmidt entlang der Infostände der Ingenieure, Wirtschafts- und Geisteswissenschaftler, die Interessen ihres Sohnes liegen im Bereich Wirtschaftspsychologie, aber auch  Sportwissenschaften.

Ihr 21-jähriger Sohn ist auch auf der hobit. Beide wollen unabhängig voneinander Informationen einholen und sich später darüber austauschen. „Es ist klasse, dass es die hobit gibt“, sagt die Gernsheimerin. Sie hat vor vielen Jahren einen Abschluss als Meisterin gemacht, mit Bachelor, Master oder dualem Studium kennt sie sich jedoch nicht aus. Daher wollen Mutter und Sohn anschließend auch die Informationsveranstaltung der Eltern-hobit besuchen, die über die Unterschiede von Universität, Fachhochschul und Dualem Studium aufklärt.

Heike Klein hat selbst ein Duales Studium absolviert, will sich jedoch ebenfalls über die Unterschiede der Hochschulformen genauer informieren. Mit ihrem Mann ist sie extra aus Lorsch angereist „Die Kinder sind mit 17 oder 18 Jahren ohne die Hilfe der Eltern einfach überfordert“, weiß sie. Die Idee für die Eltern-hobit gefällt daher auch Kerstin und Dimitrios V. aus Nauheim. Sie haben zwei Töchter im studierfähigen Alter. Die Ältere will Lehramt studieren, aber zuvor ein Auslandsjahr mit Work and Travel in Neuseeland einschieben. „Auf der hobit wollen wir uns darüber aus erster Hand informieren“, so die Eltern.

Die Tochter will Englisch- und Biolehrerin werde, doch wo sie studieren will, an welcher Hochschule oder Universität, weiß sie noch nicht. Da Kerstin und Dimitrios V. selbst nicht studiert haben, sind sie für die Orientierungshilfe der Eltern-hobit dankbar. „Wir wollen unsere Kinder bei der Entscheidung unterstützen, das geht aber nur, wenn wir darüber Bescheid wissen.“

Gut 130 Mütter und Väter haben sich in Saal Ferrum eingefunden. „Hochschule, Uni oder Dual – welcher Weg für wen?“, lautet der Titel der Podiumsveranstaltung. Moderator Prof. Bernhard Meyer versucht die Experten zu kurzen, groben Kategorisierungen zu animieren. Claudia Breuer, Studienberaterin der TU Darmstadt, beschreibt ein Studium an der Universität daher als Verbindung von Theorie und Forschung. „Sie müssen bereit sein, durch die Mühen der Theorie zu gehen. Wir sind auch anwendungsorientiert, aber eben auf einem hohen Niveau und einem soliden Sockel der Theorie.“ Die Anglistik- und Politik-Studentin Kerstin Hilbig beschreibt das Lernen als sehr selbstständig. „Ich musste mir viel selbst erarbeiten.“

Der Schuh, der zu einem passt

Bei der Hochschule Darmstadt (h_da), wie sich Fachhochschule heute nennt, steht die Praxis, die Frage der Anwendung im Vordergrund – „der Bezug zu gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Themen und Problemen“, sagt Katharina Dötzer, Studienberaterin der h_da. „Aber ohne die Theorie geht es auch hier nicht“, betont sie. Auch an der Fachhochschule kann keiner Maschinenbauer werden ohne sich mit Mathe auseinander zu setzen. Doch das Lernen ist vielleicht stärker modularisiert und erfolgt in kleineren Gruppen als an der Universität.

Matthias Ihrig von der h_da wirbt für das Duale Studium, das das Prinzip der Fachhochschule mit noch stärkerem Praxisbezug fortführe. Für Dual-Studierende gibt es keine Semesterferien. In dieser Zeit arbeiten sie in dem Unternehmen, das Ihnen mit einem festen monatlichen Gehalt das Studium finanziert (siehe auch Interview mit Matthias Ihrig in der Rubrik „Nachgefragt“). Joachim Carl, Vertreter des Unternehmens Evonik Industries sieht im Dualen Studium ein „Mittelding zwischen Hochschule und Ausbildung“.

Studierende dieser drei Studienformen müssen wissen, was auf sie zukommt. „Was will ich, was sind meine Stärken und Interessen, und was bin ich bereit zu leisten“, formuliert Katharina Dötzer die Anforderungen. TU-Beraterin Claudia Breuer vergleicht das gerne mit dem Besuch eines Schuhgeschäftes: „Sie müssen den Schuh suchen, der Ihnen passt.“


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Autor: Astrid Ludwig
Datum: 29.01.2015

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