Elternmagazin

Wege in Beruf und Studium

Welcher Hochschultyp oder welche Ausbildung passt zu Ihrem Kind?

Wolfgang Emig sitzt mit Block und Stift in einer der vorderen Reihen. Im Raum Hobitium  wartet er auf den Beginn der Informationsveranstaltung der Eltern-hobit und scheint gut vorbereitet zu sein. Frau und Tochter haben ihm aufgetragen, alles mitzuschreiben, erzählt er lachend. Seine Tochter macht 2018 Abitur und war an diesem Tag auf zahlreichen Vorträgen der hobit. Am Abend wollen sie gemeinsam beraten, wie die Zukunft aussehen könnte. „Ich mache ihr keine Vorschriften. Sie soll ihren Neigungen folgen“, findet der Vater aus Darmstadt. Mitreden und informiert, will er aber trotzdem sein.

So geht es auch dem Elternpaar aus Groß-Zimmern. Ihr Sohn hat noch keine konkreten Vorstellungen, aber sie wollen ihn bei der Entscheidung unterstützen. Die Mutter ist Lehrerin, der Vater hat an der Verwaltungsfachhochschule studiert. Doch seither haben sich in der Hochschullandschaft jedoch viele Veränderungen ergeben. „Wir wollen einfach wissen, welche Möglichkeiten es gibt.“

Zahlreiche Mütter und Väter wie Wolfgang Emig oder das Paar aus Groß-Zimmern haben sich am Eröffnungstag der Messe in dem kleinen Saal im ersten Stock des Darmstadtiums eingefunden. „Wege in Beruf und Studium“ lautet der Titel. Welcher Weg ist der richtige – Hochschule, Uni, Duales Studium oder Lehre? hobit-Projektleiter Uli Knoth weiß um die Nöte der Eltern und Schüler. „Was mach ich nur?“, fragen sich die meisten. Schließlich gibt es 18 000 Studiengänge in Deutschland, über 200 davon allein in Darmstadt. Dazu kommen rund 350 Ausbildungsberufe und verschiedenen Hochschultypen. Da fällt die Wahl schwer. Knoth animiert die Experten der Runde daher zu kurzen, groben Kategorisierungen, damit anschließend noch genug Raum für die Fragen der Eltern bleibt.

Mehr Theorie oder Praxis?

Claudia Breuer, Studienberaterin der TU Darmstadt, vergleicht ein Studium gerne mit Staubsaugerbeuteln. Da gibt es auch x verschiedene und die Passgenauigkeit muss erfragt werden. Ein Studium an der Universität beschreibt sie als Verbindung von Theorie und Forschung. „Sie müssen bereit sein, sich umfassend in Dinge einzuarbeiten. Wir sind auch anwendungsorientiert, aber an der Uni geht es um Reflexion und Tiefe.“ Mit Abitur oder Fachabitur steht der Weg an die Universität offen. Hinzu kommt in manchen Fächern ein Eignungsfeststellungsverfahren. Wichtig ist in jedem Fall, so Breuer, „ein solides Schulwissen“.

Bei den Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW), wie Fachhochschulen heute heißen, steht die Praxis, die Frage der Anwendung im Vordergrund – „der Bezug zu gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Themen und Problemen“, sagt Katharina Dötzer, Studienberaterin der Hochschule Darmstadt (h_da). „Aber ohne die Theorie geht es auch hier nicht“, betont sie. Auch an der Fachhochschule kann keiner Maschinenbauer werden ohne sich mit Mathe auseinander zu setzen. Doch das Lernen ist vielleicht stärker modularisiert und erfolgt in kleineren Gruppen als an der Universität.

Nicole Wolf von der h_da wirbt für das Duale Studium, das das Prinzip der Fachhochschule mit noch stärkerem Praxisbezug fortführe. Für Dual-Studierende gibt es keine Semesterferien. In dieser Zeit arbeiten sie in dem Unternehmen, das Ihnen mit einem festen monatlichen Gehalt das Studium finanziert. Auch hier gilt: Es gibt ganz unterschiedliche Wege, Dual zu studieren. Das kann Arbeit am Tag und Studium am Abend oder Wochenende bedeuten oder tage- und monateweise im Wechsel. Er oder sie müsse eigenständig studieren und engagiert im Unternehmen mitarbeiten, sagt Wolf. Das sind hohe Anforderungen und „man braucht eine hohe Motivation“.

Thomas Koppe, Vertreter des Unternehmens Merck, rät Eltern dazu, ehrlich auf die Neigungen und Fähigkeiten ihrer Kinder zu schauen und zu überlegen, was passt. Wer forschen wolle, für den sei das Duale Studium nicht das richtige. Bei Merck existieren vier oder fünf verschiedenen Kooperationsmodelle bis zum Bachelorabschluss. Danach arbeiten die meisten Absolventen erst einmal im Unternehmen, bevor sie den Master fortsetzen – berufsbegleitend oder auch nur an einer Uni oder Hochschule.

Wer sich lieber für eine betriebliche Ausbildung entscheidet – und das tun rund ein Drittel der Schüler – ist in der Berufsberatung der Agentur für Arbeit gut aufgehoben, sagt Tanja Steininger. 350 Ausbildungsberufe gibt es - von der Kauffrau bis zum Softwareentwickler. Darunter sind betriebliche, schulische und ganz spezielle Angebote für Abiturienten. Ein Jahr vor dem Abi sollten sich die Jugendlichen bewerben. Die Chancen stehen gut: Früher gab es mehr Bewerber als Stellen, heute hat sich das Verhältnis umgekehrt.

Fast 2 000 Ausbildungsstellen in südhessischen Unternehmen sind noch für das Ausbildungsjahr 2017/2018 zu vergeben, wovon alleine rund zehn Prozent in der Metall- und Elektroindustrie angeboten werden.


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Autor: Astrid Ludwig
Datum: 25.01.2017

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