Gap Year

Nanny im Outback

Elena entschied sich in Australien für ein Lehramtsstudium

Noch keinen blassen Schimmer, was nach der Schule kommt? Erst mal ein Jahr chillen, in sozialen Projekten mitarbeiten oder Erfahrungen im Ausland sammeln? Drei junge Menschen erzählen im hobit Magazin, was die Auszeit ihnen gebracht hat bei der Suche nach der passenden Zukunft. Elena S. war ein Jahr in Australien. Sie war unsicher, ob sie lieber Europalehramt studieren oder ihr Pferdehobby zum Beruf machen sollte. In Down Under fiel die Entscheidung, die sie bei einem hobit-Besuch später verfestigte.

 

„Kinder und Pferde, dafür habe ich mich schon immer interessiert. Schon als Teenager bin ich geritten und habe einen großen Teil meiner Freizeit im Reitstall verbracht. Nach dem Abi in Alzenau war ich mir nicht sicher, ob mein Hobby, die Arbeit mit Pferden, ein beruflicher Weg für mich sein könnte. Ich wollte raus in die Welt, Australien hat mich gereizt, so habe ich beschlossen, ein Jahr lang ans andere Ende der Welt zu reisen.

 

Ein Reitstall außerhalb von Sydney

Sydney, das klang spannend. Das sollte meine erste Station werden. Zuerst wollte ich meine Reise über Work &Travel-Anbieter planen, aber dann hat mir eine Bekannte bei der Bank Mut gemacht, es auf eigenen Faust zu probieren. Sie hat selbst in Australien erlebt, dass nette Leute und Jobs nicht so schwer zu finden sind. Ich bin also einfach los, hatte nur einen Flug gebucht und die Unterkunft in einem Hostel. Und es war tatsächlich wie beschrieben: Ich habe sofort andere Backpacker kennengelernt. Im Hostel lebten Kanadier, Südamerikaner, Engländer – alle im gleichen Alter und mit dem gleichen Ziel. In den Hostels hingen Jobangebote am schwarzen Brett, unter anderem auch von einem Dressurstall außerhalb Sydneys. Dort habe ich mich gemeldet und Arbeit gefunden.

 

Leben mit Familienanschluss

Es war toll. Ich habe in einem eigenen kleinen Haus gelebt, die Pferde versorgt, Reitschüler unterrichtet und hatte auch Familienanschluss. Die Besitzer des Reitstalls haben sich um mich gekümmert, für mich eingekauft und ich habe auch ein kleines Taschengeld verdient, das ich ansparen konnte für meinen weiteren Aufenthalt im Land. Zum Abschied haben die Kinder eine Collage für mich gebastelt. Das hat mich sehr gerührt.

 

Manchmal auch einsam gefühlt

Ich war das erste Mal so weit weg von Zuhause. Manchmal habe ich mich schon allein gefühlt, aber zum Glück gibt es ja Telefon.  Meine Freundin war zur gleichen Zeit in Australien und nach ein paar Monaten haben wir uns ins Adelaide getroffen. In Melbourne habe später dann noch couch surfing gemacht, interessante Leute kennengelernt. Die Stadt hat eine spannende Kunst- und Kulturszene. Mit meiner Freundin bin ich mit dem Bus durchs Land und an der Küste entlang gereist.

 

Auf einer Farm im Outback

Auf einer Farm im Outback bei Perth habe ich dann eine neue Stelle gefunden, als Nanny bei einer Familie mit zwei kleinen Kindern. Viele Monate bin ich dort geblieben, die Eltern und Kinder waren supernett. Die Frau, eine Deutsche, war auf einer Reise in Australien hängen geblieben. Das Leben war einsam, die Farm riesig. Die Rinderherden wurden mit dem Jeep oder Flugzeug zusammengetrieben. Australien, so groß und einsam wie man es sich vorstellt. Es hat alles gepasst: Das Familien- und das Farmleben. Mit den Pferden bin ich morgens ausgeritten, inmitten von Kängurus. Dort hat es mir so gut gefallen, dass ich später nach einem Aufenthalt in der quirligen Küstenstadt Brisbane sogar nochmals zurückgekehrt bin.

 

Nur gute Erfahrungen

Ich habe während des einen Jahres eigentlich nur gute Erfahrungen gemacht. So gut, dass ich manchmal gezweifelt habe, ob ich zurückgehen oder einfach noch länger bleiben sollte. Es war schwer den Absprung zu finden, viele verpassen ihn, reisen und jobben weiter durch die Welt. Ich wollte aber gerne eine Ausbildung machen. Australien hat mir viele Kontakte beschert, ich habe die Sprache fließend gelernt und eine Erkenntnis gewonnen: Dass ich Pferde als Hobby liebe, aber sie nicht zu meinem Beruf machen möchte.

 

Besuch der hobit festigte Berufswunsch 

Nach meiner Rückkehr aus Australien habe ich die hobit besucht, dort Vorträge angehört und an Ständen mit Studierenden gesprochen. Das hat mich weiter bestärkt in meinem Entschluss, auf Lehramt zu studieren und Grundschullehrerin zu werden. In Australien hat mir die Betreuung der Kinder und Reitschüler immer viel Spaß gemacht. Ich kann gut mit Kindern, es ist eine sinnvolle Arbeit.

 

Für Europalehramt entschieden

Ich entschied mich für ein Studium auf Europalehramt in den Fächern Englisch und Geschichte, weil ich so auch meine erworbenen Sprachkenntnisse nutzen konnte. Möglich war das an der Pädagogischen Hochschule in Freiburg. Ich unterrichte jetzt Grundschulkinder auf Deutsch und Englisch. Eine Entscheidung, die richtig für mich war.

Meine Liebe für das Ausland und das Reisen ist geblieben. Nach dem Staatsexamen bin ich erst einmal sieben Monate nach Wales gefahren und habe dort gearbeitet. Auf einem Gestüt - mit Pferden, meinem großem Hobby.“

 

Du willst mehr lesen? Hier geht's zu zwei weiteren Berichten:

Teil 1: Bleibende Erinnerungen an St. Louis

Teil 3: Mitten im Nirgendwo


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Autor: Astrid Ludwig
Datum: 21.12.2017

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