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Ansturm auf das Freiwillige Soziale Jahr

Viele Abiturienten entscheiden sich für diese Alternative, wenn ihr Berufs– oder Studienwunsch noch unklar ist

Der Stand von „Volunta“ ist während der hobit meist von einer Schülertraube umgeben. Volunta ist eine Tochtergesellschaft des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), die größte von insgesamt 40 Organisationen in Hessen, die Freiwilligen Dienste, Schüleraustausch, Volunteering oder auch Au-Pair-Stellen im In- und Ausland vermitteln. Seit mit der Verkürzung der Abiturzeit die Schulabgänger immer jünger werden, erleben Träger wie Volunta einen regelrechten Ansturm.

„Ich habe keine Ahnung, was ich nach der Schule machen will. Ich brauche das für meinen Lebenslauf“, so fangen viele Gespräche an, die sie auf der hobit führt, berichtet Kathrin Brinkmeier, Beraterin für ein Freiwilliges Engagement. „Wir spüren die Verunsicherung und die Orientierungslosigkeit der jungen Leute“, sagen sie und ihre Kollegin Anne Stübing. Viele Schülerinnen und Schüler fühlen sich überfordert bei der Wahl des passenden Studiengangs oder der richtigen Berufsausbildung. Allein bei den Studiengängen können sie unter 16 000 verschiedenen Möglichkeiten deutschlandweit wählen. Eine Art Warteschleife in einer verlängerten Orientierungsphase zu drehen, erscheint da vielen Jugendliche als eine sinnvolle Lösung, erzählen beispielsweise Sophia aus Weiterstadt oder auch Carina Trepke aus Darmstadt.

Während der verkürzten Abi-Jahrgänge hat sich die Zahl der Interessenten für ein Freiwilliges Soziales oder auch Ökologisches Jahr erheblich gesteigert. „Und es werden jedes Jahr mehr“, sagt Kathrin Brinkmeier. Über 5000 Bewerbungen gab es beispielsweise 2014 für rund 1900 Freiwilligen Stellen im Inland bei der Volunta. Rund 400 Bewerbungen waren es für Auslandsaufenthalte, die DRK-Tochter hat rund 150 internationale Positionen im Au-Pair-Bereich oder Freiwilligen Dienst zu bieten. In Hessen unterhält sie rund 1000 Einsatzstellen etwa für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ).

Volunta wirbt mit dem Slogan „Entdecke, was in dir steckt“. Junge Menschen zwischen 16 und 26 Jahren können sich in 23 Beratungscentern in Hessen informieren, darunter in Darmstadt, Frankfurt, Wiesbaden oder auch Offenbach. Die Abiturienten können das ganze Jahr über in den Freiwilligen Dienst einsteigen. Bei rund 300 bis 330 Euro im Monat liegt die Vergütung. Der Träger zahlt auch Krankenkasse und Sozialabgaben.

„In erster Linie geht es um die Orientierung, nicht ums Geld verdienen“, sagt Brinkmeier, die selbst nach der Schule ein FSJ gemacht, weil sie „null Ahnung hatte, was ich werden will“. Hier können die Schülerinnen und Schüler erkunden, ob der Job in der Kita, im Rettungsdienst oder Altenheim tatsächlich etwa für sie ist. „Pflege im Altenheim etwa ist zunächst einmal eine große Hürde, aber viele bleiben später im sozialen Bereich“, weiß Volunta-Mitarbeiter Axel Eppich. Eine Lösung also, von der beide Seite profitieren.

Andrang auch bei Studienberatungsstellen

Einen großen Ansturm erlebt auch die Zentrale Studienberatung der TU Darmstadt. „Orientierung gefällig?“ steht auf dem großen Plakat, vor dem Michael Kremer auf der hobit Position bezogen hat. Rund 100 Gespräche pro Messetag zählt der Berater der Technischen Universität derzeit. „Ernsthafte Gespräche, keine kurzen Kontakte“, betont er. „Viele G-8-Schüler brauchen einfach Unterstützung.“ Kremer hat den Eindruck gewonnen, dass es für die jungen Menschen vor allem eine große Herausforderung ist, „die Informationen zu filtern, richtig zu gewichten und in Beziehung zu den eigenen Stärken und Schwächen zu setzen“. Weil das an einem oder vielleicht auch zwei Messetagen nicht immer gelingt, verweist Kremer Interessenten an die persönlichen Sprechstunden, die die Studienberatung anbietet. Hier ist dann Zeit für tiefer gehende Gespräche.

www.volunta.de; www.zsb.tu-darmstadt.de


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Autor: Astrid Ludwig
Datum: 04.12.2017

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