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Mitten im Nirgendwo

Nina hat die Kanada–Reise für die Studienwahl weniger gebracht als erwartet / Sie hofft nun bei der hobit auf Antworten

Noch keinen blassen Schimmer, was nach der Schule kommt? Erst mal ein Jahr chillen, in sozialen Projekten mitarbeiten oder Erfahrungen im Ausland sammeln? Drei junge Menschen erzählen im hobit Magazin, was die Auszeit ihnen gebracht hat bei der Suche nach der passenden Zukunft. Die 19jährige Nina hatte sich mehr erwartet, von ihrer dreimonatigen Reise durch Kanada und die USA. Sie hofft nun auf Antworten bei der hobit.

 

„Nach der monatelangen Büffelei fürs Abi wollten ich und meine Schulfreundin unseren Horizont erweitern, ins Ausland reisen, neue Leute und Länder kennenlernen. Island schwebte uns vor, Frankreich oder Kanada. Wir wollten Tiere betreuen, auf einer Farm arbeiten. Drei Monate wollten wir herumreisen und unseren Aufenthalt durch Arbeit finanzieren. Wir meldeten uns auf der Internetplattform Workaway an und starteten Anfragen. Als ein paar Zusagen aus Kanada kamen, haben wir uns für Kanada entschieden. In dem Land waren wir beide noch nie und Nova Scotia klang irgendwie gut.

 

Wir hatten kaum etwas zu tun

Doch der Norden von Kanada ist dünn besiedelt und ein bisschen abgelegen. Unsere erste Station, ein Hostel auf einer Halbinsel, war mitten im Nirgendwo. Wir sollten helfen, die Zimmer aufzuräumen, zu putzen und Betten zu machen. Die Besitzerin war anfangs ganz nett, aber wir waren ihr wohl zu schüchtern und sie verlor schnell das Interesse an uns. Das Hostel war nicht ausgebucht und wir hatten kaum etwas zu tun. Eigentlich sind Kost und Logis inbegriffen bei diesen Arbeitsaufenthalten, aber wir mussten uns unser Essen selbst kaufen. Der nächste Laden war allerdings eine halbe Stunde mit dem Fahrrad entfernt. Gewohnt haben wir in einer Hütte ohne Heizung und mit Komposttoilette. Wir haben oft den ganzen Tag herumgesessen, hatten nichts zu tun und fühlten uns am falschen Platz. Es gab wenig drum herum, der Bus fuhr nur einmal am Tag und einen Leihwagen darf man in Kanada erst ab 21 Jahren mieten, wir waren aber erst 19. Nachdem uns die Hostel-Besitzerin irgendwann ganz ignoriert hat, sind wir früher als eigentlich gedacht weitergereist.

 

Kurzfristige Absage

Unsere nächste Anlaufstation sollte eine Frau sein, die Ziegen hält und Käse herstellt, doch sie sagte uns kurzfristig ab und wir mussten uns spontan etwas Neues suchen. Wir hatten Glück und fanden ein Paar mit drei Katzen und einem Hund, denen wir bei der Garten- und Hausarbeit geholfen haben. Sie haben uns nett aufgenommen, sind mit uns zu den Großeltern und auf Ausflüge gefahren. Wohlgefühlt haben wir uns auch auf den nächsten Stationen, einem Künstlerhaus, wo Workshops, Konzerte und Kunstkurse angeboten wurden. Und bei einer Familie mit drei kleinen Kindern, bei der wir babygesittet und Gemüse angebaut haben. Da hatten wir etwas zu tun und fühlten uns auch willkommen.

 

Wir wurden herumkommandiert

Das letzte unserer Workaway-Angebote in der Nähe von Toronto war dagegen wieder eine Katastrophe. Die Frau war um die 70, lebte mit ihrer Tochter, vier Pferden und vier Hunden zusammen. Wir wohnten mit noch einem Work & Travel-Mädchen in einem Camper außerhalb des Wohnhauses. Es war mittlerweile Herbst und nachts herrschten schon Minusgrade. Der Camper war nicht geheizt. Toilette und Dusche im Haus durften wir nur zu bestimmten Zeiten benutzen. Wir sollten zehn Tage durcharbeiten und zwei Tage frei bekommen, während derer wir aber nicht auf dem Gelände bleiben und schlafen durften. Das Essen wurde auch immer weniger und die Frau merkwürdiger. Sie war sehr herablassend, hat uns herumkommandiert. Nach drei Wochen sind wir dann alle drei dort abgehauen. Ich bin mit meiner Freundin anschließend mit dem Greyhound Bus über Land gereist bis in die USA und nach New York. Einen Zwischenstopp haben wir später auch noch in Island eingelegt. Das waren dann wiederum gute Erfahrungen, die Spaß gemacht haben.

 

Wir haben uns teilweise ausgenutzt gefühlt

In Bezug auf meine Berufs- oder Studienwahl hat mir diese Zeit weniger gebracht als erhofft. Wir wollten unseren Horizont erweitern, etwas Sinnvolles tun. Aber man ist doch sehr abhängig von den Hosts und oftmals auf Gedeih und Verderb auf sie angewiesen. Wir haben uns teilweise ausgenutzt gefühlt. Auf die Bewertungen der Angebote auf der Internetplattform kann man sich nicht immer verlassen, weil negative Urteile oftmals herausgenommen werden, wie wir selbst erlebt haben. Schreibt man die negativen Bewertungen zu früh, womöglich noch während des Aufenthaltes, bekommt man ebenfalls schlechte Feedbacks und findet dann unter Umständen keine neuen Hosts mehr. Das läuft also nicht so gut.

 

Wir haben gelernt, unsere Probleme selbst zu lösen

Ich habe in Kanada gerne gegärtnert, aber als Beruf oder Studium kommt das für mich nicht in Frage. Wir haben allerdings gelernt, unseren Alltag selbst zu organisieren und unsere Probleme zu lösen. Das ist ein Vorteil dieser Auszeit gewesen. Ich bin während der drei Monate in Kanada sehr selbstständig geworden.

 

Anregungen auf der hobit suchen

Ich interessiere mich für ganz unterschiedliche Fächer und Bereiche wie Biologie, Sprachen oder Animation und Spieledesign. Die Freundin meiner Mutter hat mir von der hobit berichtet. Dort werde ich Ende Januar nun für ein oder zwei Tage hingehen, um mir Anregungen und Informationen über Studiengänge zu holen. Ich bin schon sehr gespannt.

 

Du willst mehr lesen? Hier geht's zu zwei weiteren Berichten:

Teil 1: Bleibende Erinnerungen an St. Louis

Teil 2: Nanny im Outback


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Autor: Astrid Ludwig
Datum: 08.01.2018

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