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Traumberuf gefunden

Die Archäologin Jennifer Berndt fand über die hobit zum Freiwilligen Jahr, zum Studium und kam als Referentin wieder zurück zur hobit

Was mache ich bloß nach der Schule? Welchen Beruf könnte ich ergreifen? 20 000 Schülerinnen und Schüler suchen jedes Jahr auf der hobit mehr oder minder verzweifelt nach Antworten. Wie die hobit bei der Berufs- und Studienwahl geholfen hat, davon berichten ehemalige Besucherinnen:

Der Saal im Darmstadtium war proppenvoll. „Mit so vielen Zuhörern hatte ich gar nicht gerechnet“, sagt Jennifer Berndt. Die angehende Archäologin war ein bisschen aufgeregt. „Schließlich war das mein erster wissenschaftlicher Vortrag außerhalb der Universität“, lacht sie. Und der sollte für das junge, in der Archäologie unkundige Publikum, spannend und verständlich zugleich sein. Ein Anspruch, dem Jennifer Berndt wohl gerecht wurde. „Es kamen viele interessierte Rückfragen“, freut sie sich.
Bei der hobit sprach Jennifer Berndt vor Schülern über ihr Studium, die Berufsaussichten und die Möglichkeit, ein Freiwilliges Jahr beim Hessischen Landesamt für Denkmalpflege zu machen. Ein Vortrag, den sie auf der hobit erstmals hielt, und über den sie vor Jahren selbst zu ihrem Studium fand. 2009 nämlich war Jennifer Berndt erstmals als Schülerin auf der hobit und besuchte genau dieses Vortragsthema, das damals der Referent Dr. Holger Göldner vom Hessischen Landesamt für Denkmalpflege im Darmstadtium vorstellte.
Jennifer Berndt ging damals in die Oberstufe der Lichtenbergschule in Ober-Ramstadt. Während Klassenkameraden sich für Science-Fiktion oder Harry Potter begeisterten, verschlang sie die klassischen Sagen des Altertums. „Ich habe mich immer für Geschichte interessiert und wusste eigentlich schon als Kind, dass ich Archäologin werden wollte“, erzählt sie. Im Landesmuseum in Darmstadt hatte sie bereits ein Schülerpraktikum absolviert.

Bei Ausgrabungen an der Bergstraße dabei

Bei der hobit und im Vortrag von Dr. Holger Göldner erfuhr sie dann von der Möglichkeit, ein Freiwilliges Jahr in der Außenstelle Darmstadt des Landesamtes für Denkmalpflege antreten zu können. Gleich anschließend sprach sie Dr. Göldner an und bewarb sich wenige Wochen später erfolgreich für diese Stelle. „Ich wollte noch vor dem Studium die praktische Seite der Archäologie kennenlernen“, erzählt sie. Ein Jahr lang arbeitet sie in der Außenstelle Darmstadt und war unter anderem bei Ausgrabungen in Biblis an der Bergstraße dabei, als dort ein germanischer Bestattungsplatz entdeckt und freigelegt wurde.
In Frankfurt an der Goethe Universität studierte die junge Frau anschließend Archäologie und Geschichte. Spezialisiert hat sich Jennifer Berndt auf die Vor- und Frühgeschichte, die von 2,5 Millionen Jahren vor heute bis in das frühe Mittelalter zu Karl dem Großen um 800 nach Christus reicht. Sie war bei Exkursionen zu Ausgrabungsstätten in Tansania und Namibia, hat Felsbilder entdeckt, Ausgrabungs- und Dokumentationstechniken sowie Fremdsprachen erlernt. Latein, Französisch, Englisch, sogar Dänisch musste sie können, um Inschriften zu entschlüsseln und die Fachliteratur zu lesen. „Ich habe viel gesehen und gelernt“, sagt sie. Ihr Interesse für die Archäologie ist ungebrochen. „Ich kann mir gar keinen anderen Beruf vorstellen.“ Nach wie vor fasziniert sie, „nach Details zu suchen, um das große Ganze zu erkennen“.
Jennifer Berndt hofft auf eine Stelle in der Denkmalpflege. Dass sie ihren Weg fand, sagt sie, habe sie der hobit zu verdanken.


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Autor: Astrid Ludwig
Datum: 19.02.2015

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