Twist. Ungewöhnliche Biografien

»Ich wollte zeigen, dass ich auch Mathe kann.«

Wie aus der Fünfer-Kandidatin in der Schule die Mathe–Studentin Jacqueline Wagner wurde

Jacqueline Wagner hat wochenlang alleine China und die Mongolei bereist, war einen Monat ohne Begleitung in Indien unterwegs. Eine Erfahrung, die Jacqueline nicht missen will. „Da lernt man sich selbst und seine Grenzen kennen“, sagt sie. Doch Grenzen hat die 19-Jährige ohnehin lange hinter sich gelassen, schon zu Schulzeiten. Da war sie 15 und ein Versandhaus brachte dieses blöde T-Shirt heraus: „In Mathe bin ich Deko“, stand darauf. Darüber haben sich viele aufgeregt – auch Jacqueline, die damals noch in Karlsruhe wohnte.

Mädchen gleich Mathe-Versagerinnen, das Klischee. Aber ein bisschen stimmte das auch bei ihr selbst und darüber hat sie sich dann noch mehr geärgert. „Mathe war lange meine schlechteste Note im Zeugnis. In Klausuren habe ich eine vier oder sogar eine fünf geschrieben“, erinnert sie sich. Alle in ihrer Umgebung fanden Mathe doof und die Lehrerin „gab mir das Gefühl, kein Talent für Mathematik oder Naturwissenschaften zu haben“. Dabei war ihr Vater Informatiker und gut in Mathe.

Widerstand gegen ein Klischee

In Jacqueline regte sich Widerstand. Dann las sie von dem Wettbewerb einer Sonntagszeitung, die ihre Leser und Schülerinnen dazu aufrief, eine komplizierte Mathe-Aufgabe zu lösen und einzusenden. Ein Fanal: „Plötzlich wollte ich zeigen, dass ich das auch kann.“ Sie kniete sich rein, löste die Aufgabe und gewann sogar den Wettbewerb.

Danach lief alles, als habe sich ein lang vorhandener Knoten gelöst. Die neue Mathe-Lehrerin, der neu erwachte Elan - „ich holte alles auf.“ Und gab anderen in der Klasse sogar noch Nachhilfe. Sie belegte den Mathe-Leistungskurs, lieferte im Abitur eine eins plus ab und heute studiert sie im ersten Semester Mathematik an der Universität in Heidelberg. „Das ist genau mein Ding und macht total Spaß“, erzählt sie. Manchmal fehlt eben nur der richtige Kick, das richtige Selbstvertrauen.
 

 

 


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Autor: Astrid Ludwig
Datum: 06.11.2015

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