Klimaschonend mit der Seilbahn in die Stadt

Entspannt und umweltschonend zur Arbeit schweben, ganz ohne nervige Staus und Abgase? Bauingenieur-Studierende der Hochschule Darmstadt (h_da) und ihr Professor wollen für die Seilbahn als öffentliches Transportmittel begeistern und haben gleich mehrere Vorschläge für das Rhein-Main-Gebiet.

Ideen beim Skifahren

Die Idee kam Jürgen Follmann beim Skifahren in Frankreich. In dem Mega-Skigebiet waren Autos nicht zugelassen. Seilbahnen verbanden stattdessen die Menschen mit den Skipisten und verschiedenen Ortsteilen. Die Kabinen fuhren bis spätabends, wurden als ÖPNV genutzt. Follmann ist Stadtplaner und Professor für Bauingenieurwesen an der Hochschule Darmstadt (h_da) und die Idee des schwebenden Transportmittels ließ ihn seither nicht mehr los. In südamerikanischen Großstädten wie Rio de Janeiro gehören Seilbahnen längst zum Verkehrsbild. Warum sollte das nicht auch im staugestressten Rhein-Main-Gebiet eine Möglichkeit der Entlastung sein?

In Deutschland verkehren solche Bahnen bisher nur für touristische Zwecke – in Berlin-Marzahn etwa für die Bundesgartenschau, ebenso in Koblenz hoch zum Deutschen Eck. Die Koblenzer Seilbahn entstand innerhalb von vier Jahren. Sie wird so gut angenommen, sagt Prof. Follmann, dass die Stadt Koblenz sie jetzt in ihren ÖPNV integrieren möchte.

Flexibel und ohne Verspätungen

Koblenz ist das Vorbild für den Professor und seine Masterstudierenden. Gleich mehrere Trassen rund um Frankfurt und Darmstadt haben die Studenten-Teams in den zurückliegenden Semestern als Semesterprojekte geplant. Sie sind begeistert von den Möglichkeiten, die sich ihrer Ansicht nach bieten. „Seilbahnverbindungen sind flexibel, zuverlässig und haben keine Verspätung“, sagt Student Felix Fabian. Er studiert im 2. Mastersemester Bauingenieurwesen an der h_da und hat mit seinen Kommilitonen Felix Rhein, Jannik Rocke und Sophie Scherer eine zehn Kilometer lange Modell-Trasse im Osten von Darmstadt geplant. Aus dem nahen Odenwald, Spessart und dem Rodgau pendeln  täglich rund 40 000 Fahrzeuge in die Wissenschaftsstadt. Auf der B 26 staut sich täglich der Verkehr in und aus der Stadt.

Wie am Fließband

In einer urbanen Seilbahn könnten pro Stunde und Richtung bis zu 5000 Personen transportiert werden. Zum Vergleich: In einen langen S-Bahn-Zug passen rund 1500 Menschen. Alle 25 Sekunden schwebt eine Kabine heran, in die bis zu 40 Pendler passen. „Das ist ein ständiges Fließen wie am Fließband. Kein Stress am Bahnsteig, kein Schubsen und Schieben. Ein ganz anderes Gefühl“, ist Prof. Follmann sicher. Mit rund 30 Kilometer pro Stunde fahren die Bahnen durch die Luft – hoch oben über verstopften Straßen und vollen Zügen. „Eine entschleunigte Fahrt zur Arbeit.“

Bau innerhalb kurzer Zeit

Die alternative Verkehrsverbindung ist angelegt als eine „Verknüpfung großer Zentren im Ballungsraum“. An einem Punkt  könnte ein Parkhaus oder P&R-Platz stehen, wo die Pendler einsteigen und an der Endstation ein Verkehrsknotenpunkt, wo sie mit Bussen oder Bahnen in die Innenstädte weiterfahren. Innerhalb von vier Jahren lässt sich so eine Trasse realisieren, sagt der Professor. Mit rund 25 Millionen, inklusive Kabinen, rechnen Verkehrsplaner pro Kilometer Seilbahn – plus der Kosten für Grundstücke und den Bau der Stationen. „Eine S-Bahnstrecke verschlingt das Vierfache und das Genehmigungsverfahren dauert länger“, so Follmann. Die 60 Meter hohen Pfeiler sind leicht auf- und abbaubar, halten Sicherheitsabstand zu Bäumen. Wohngebiete dürfen nicht überflogen werden.

Kein Lärm und keine Schadstoffe

Seilbahnen, betonen die Studierenden, sind klimafreundlich. Der Flächenverbrauch ist gering, es gibt kaum Eingriffe in die Natur. „Sie verursachen keinen Lärm und keine Schadstoffe“, sagt Sophie Scherer. „Und man sieht die Welt aus einer ganz anderen Perspektive“, betont Felix Fabian. Die Kommilitonen Felix Rhein und Jannik Rocke finden den Ansatz innovativ. „Er ist neu und ungewöhnlich. Die meisten können es sich bisher nicht vorstellen, mit Seilbahnen in die Städte zu pendeln.“ 

Hoffen auf eine Modellstrecke

Für eine erste Modellstrecke hat Prof. Follmann bereits Gespräche geführt – mit Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wasir, mit Verkehrsverbünden, Städten wie Frankfurt, Darmstadt oder Hanau oder auch dem Flughafenchef. Eine Trasse, die seine Studierenden geplant haben, hält er für realisierbar: Eine Seilbahn vom künftigen Terminal 3 am Flughafen über den Neu-Isenburger Bahnhof zur Commerzbank-Arena und der S-Bahn-Haltestelle Louisa in Frankfurt. „Diese Strecke ist eine echte Chance“, sagt er. Vor allem wenn 2024 Spiele der Fußball-EM in Frankfurt stattfinden und tausende Fans ins Stadion und die Stadt drängen. Seilbahnen sind eine wichtige Ergänzung für die Mobilität der Zukunft sind er und seine Studierenden überzeugt.

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