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Schnupperstudium

Im Hessen-Technikum können Schulabgängerinnen an der Hochschule Darmstadt und weiteren Hochschulen für Angewandte Wissenschaften ausprobieren, ob ihnen naturwissenschaftlich-technische Fächer liegen. Das hilft bei der Orientierung und es gibt sogar Geld dafür

MINT – mit dieser Abkürzung konnte Rieke Müller schon in der Schulzeit etwas anfangen. Dass sie einmal einen mathematischen, naturwissenschaftlichen oder technischen Beruf ergreifen will, war der 18-Jährigen schon klar, bevor sie ihr Abitur an der Justus-Liebig-Schule in Darmstadt abschloss. Informatik schwebte ihr vor, „aber so richtig konnte ich mir die Berufsfelder oder ein Studium nicht vorstellen“, erzählt die junge Frau. Das ist jetzt anders: Rieke Müller ist eine von aktuell 12 Technikantinnen an der Hochschule Darmstadt (h_da). Seit Oktober vergangenen Jahres probiert sie das Hessen-Technikum aus. Ein halbes Jahr lang studiert und arbeitet sie gleichzeitig in verschiedenen MINT-Fächern und Berufsfeldern. Vier Tage die Woche macht sie dabei ein Praktikum in Kooperationsunternehmen der h_da und immer mittwochs besucht sie eine Vorlesung oder Veranstaltung an der Hochschule. „Das verschafft einen guten Überblick“, findet sie.

Zugang zur MINT-Studium erleichtern

Rieke Müller zählt zu den jungen Frauen, die schon während der Schule interessiert waren. Sie belegte Chemie und Mathematik als Leistungskurse. „Doch nicht immer finden diese Schülerinnen später auch einen Zugang zum Studium von MINT-Fächern“, weiß Yvonne Haffner, Soziologie-Professorin und Gleichstellungsbeauftragte an der Hochschule Darmstadt. Ihr Interesse zu fördern und einen Einblick in die entsprechende Studien- und Berufswelt zu öffnen, ist Ziel des Hessen-Technikums. Die Abiturientinnen oder Fachabiturientinnen sollen beide Seiten kennenlernen, „ein Gespür für die Fächer bekommen“, wie die Professorin es nennt.

Haffner ist landesweite Projekleiterin des Hessen-Technikums, das von 2013 bis 2017 an der Hochschule Darmstadt entwickelt sowie erprobt und nun an allen fünf hessischen Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAWs) angeboten werden soll. Für das dreijährige Gemeinschaftsprojekt, finanziert vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst und Europäischen Sozialfonds, stehen rund 660 000 Euro bereit. An den übrigen hessischen Hochschulen startet die Aquise für das Technikum derzeit. Die zentrale Koordinierung liegt bei der h_da, in der Hand von Lena Loge.

Selbstbewusstsein der Mädchen stärken

Sie und Yvonne Haffner haben in der Pilotphase gute Erfahrungen mit dem Angebot gemacht, das vor allem das Selbstbewusstsein der Mädchen stärkt. „Viele denken, ihre Mathe-Kenntnisse reichen nicht aus oder sie haben diffuse Vorstellungen von einem technischen Studium oder Beruf“, sagt Koordinatorin Loge. In der Schule wird Physik unterrichtet oder Informatik, „doch bei Elektrotechnik oder Bau-Ingenieurwesen hört es schon auf“. Beim Hessen-Technikum jedoch können sie genau in diese Felder herein schnuppern. 15 Unternehmen im Rhein-Main-Gebiet aus ganz unterschiedlichen Bereichen kooperieren mit der Hochschule Darmstadt für das Hessen-Technikum. Darunter große Börsen-Player, aber auch Mittelständler. „Das zeigt, dass das Projekt für alle interessant ist“, betont Prof. Haffner.

Mehrere Monate bezahlte Praxiszeit

Rieke Müller hat schon ihre zweite Praxiszeit begonnen. Drei Monate hat sie bei einem IT-Dienstleister in Langen gearbeitet, seit zwei Wochen macht sie ein Praktikum bei einem großen Informations- und Telekommunikationsdienst der Deutschen Bahn. Acht Stunden jeden Tag darf sie Kollegen begleiten oder eigene Aufgaben bewältigen – eine Mitarbeit, für die die Technikantinnen übrigens mit 400 bis 700 Euro entlohnt werden. Jeden Mittwoch studiert die 18-Jährige an der Hochschule Darmstadt, nutzt wie reguläre Studierenden auch dort alle Einrichtungen. Sie besucht Vorlesungen oder spezielle Angebote, die für die Technikantinnen im Maschinenbau, der Elektro-und Informationstechnik, im Bau-Ingenieurwesen, der Informatik oder den Naturwissenschaften gemacht werden. Sie erhalten als Gruppe einen Einblick in alle Fachbereiche.

Vorstellungen vom Beruf anschließend klarer

„Bisher war es sehr abwechslungsreich“, findet Hannah Kuch. Auch die Bensheimerin nutzt  das Hessen-Technikum zur Orientierung. Naturwissenschaften liegen ihr, „doch ich wusste vorher nicht, was genau ich machen will“. Das steht nach rund vier Monaten Praktikum und Schnupperstudium nun fest. „Ich werde ab dem Wintersemester Maschinenbau studieren“, sagt sie. Rieke Müller hat ebenfalls ihren Weg gefunden. „Bei mir geht es jetzt ganz klar in Richtung Informatik.“

Das Technikum soll helfen, „Vorstellungen zu konkretisieren“, sagen Yvonne Haffner und Lena Loge. Das können sie mit Zahlen aus der Pilotphase belegen. Zweifeln vorher viele junge Frauen, ob sie ein MINT-Studium überhaupt schaffen, entscheiden sich nach dem Hessen-Technikum 90 Prozent der Technikantinnen für ein Studium im Bereich Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Bisher haben 34 Teilnehmerinnen das Technikum an der h_da absolviert.

Erfolgreiche Pilotphase

Ein Studium starten sie danach nicht zwangsläufig an einer Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Hannah Kuch etwa will sich für Maschinenbau an der TU Darmstadt  einschreiben. „Ich habe gemerkt, dass mir die theoretische Seite mehr liegt“, sagt sie. Universität oder Hochschule – auch diese Frage soll das Hessen-Technikum klären helfen, betont Loge. Rund die Hälfte entscheidet sich anschließend für ein mehr praktisch orientiertes Studium. Ein Vorteil gilt jedoch für Uni und Hochschule gleichermaßen: Technikantinnen haben das Pflichtpraktikum für technische Studiengänge schon in der Tasche und bereits Kontakte zu Unternehmen geknüpft. So manche entscheidet sich daher auch für ein Duales Studium.

Zwischen Ende des Technikums im März und dem Studienstart liegt oft ein halbes Jahr. Diese Pause begleitet Lena Loge auf Wunsch ebenfalls mit Rat und Praktikumsangeboten. Für Rieke Müller und Hannah Kuch hat sich die Zeit gelohnt: „Wir fühlen uns jetzt sehr viel sicherer“.

Bewerbungen und Infos unter www.hessen-technikum.de

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  • h_da
  • Technische Universität Darmstadt
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Unterstützt von der Stadt Darmstadt, dem Kreis Darmstadt-Dieburg und dem Kreis Groß-Gerau.

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