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Das Projekt Handicap

Seit frühester Kindheit ist Sabine Hopp ertaubt. An der TU Darmstadt leitet sie als außerordentliche Professorin (ao Prof) das „Projekt Handicap“ und räumt für Studierende und Beschäftigte mit chronischen oder temporären Beeinträchtigungen Steine aus dem Weg.

Früher auf Kommilitonen angewiesen

Wie folgt man einer Vorlesung, wenn man nicht hören kann, was der Professor sagt? Wie lassen sich mündliche Prüfungsaufgaben beantworten, deren Fragen nicht die Stille durchdringen? Heute, im Zeitalter digitaler Technik, ist es kein Problem an Manuskripte, Inhalte oder Aufzeichnungen zu gelangen. Als Sabine Hopp in den 1990er Jahren Architektur an der TU Darmstadt studiert hat, war das anders. Wollte sie den Worten des Dozenten folgen, war sie auf ihre Kommilitonen angewiesen. „Meine Freunde haben für mich die Vorlesungen wortwörtlich mitgeschrieben“, erzählt sie. Ein sozialer Zusammenhalt und Vertrauensbeweis, der ihr weiteres Leben prägte.

Mit drei Jahren ertaubt

Sabine Hopp war drei Jahre alt, als sie ertaubte. Studium und Diplom hat sie dennoch mit Spaß und Bravour gemeistert. Sie hat sich „durchbeißen“ müssen. Heute sorgt sie an der TU Darmstadt unter anderem dafür, dass Menschen mit Beeinträchtigung es leichter haben, dass sie auf ein Netzwerk treffen und ihnen schon rein baulich keine Hürden im Weg stehen. Die Vertrauensdozentin leitet das Projekt Handicap, die „Koordinierungsstelle Barierefreie TU Darmstadt. Eine Arbeit, die sie durch ihre Erfahrungen während des eigenen Studiums angestoßen hat.

Einmaliges Projekt

Das Projekt ist einmalig, bundesweit erhält sie Anfragen von Universitäten. Bisher gibt es an Hochschulen meist die Sozialberatung des Studentenwerkes und einen Schwerbehinderten-Beauftragten. Sabine Hopp jedoch ist eine Ergänzung, eine Mittlerin zwischen Studierenden und den Kollegen an den Fachbereichen. „Ich weiß, wo anzusetzen ist, damit es besser läuft.“

Die Vertrauensdozentin hat wechselnde Tutoren an ihrer Seite, die sie unterstützen. Derzeit kümmern sie sich um rund 80 Studierende und Mitarbeiter mit Beeinträchtigungen. Bewusst spricht sie nicht von Behinderungen. Zu ihr kommen Betroffene, die an chronischen oder zeitweisen Einschränkungen leiden – Blinde, Menschen mit Hörproblemen, Prothesen, Gehhilfen, Rollstuhlfahrer oder solche, die einen Unfall hatten und in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Dazu zählen auch Studierende und Uni-Mitarbeiter mit Kinderwagen, die Zugang zu allen Unibereichen haben sollen. Die ao Professorin bietet Sprechstunden an, viele melden sich jedoch per Mail, „weil sie ein bisschen Anonymität vorziehen“.

Viel Unsicherheit in den Anfangsjahren

Sabine Hopp ist kaum anzumerken, dass sie taub ist. Sie liest von den Lippen ab, spricht deutlich und artikuliert. Als Kleinkind verlor sie ihr Gehör durch eine Viruserkrankung, lernte sprechen in einer Spezialschule in Mainz. Ihre Eltern sorgten dafür, dass sie eine Regel- statt eine Sonderschule besuchen konnte. So mancher Prof an der Uni glaubte ihr anfangs die Beeinträchtigung nicht. „Es gab damals viel Unsicherheit und Überforderung. Meist musste ich selbst für mich den besten Weg finden.“

Vibrationsalarm und Leitsysteme

Hopp und das Projekt Handicap übernehmen heute diese Aufgabe. Die Architektin, die als ao Professorin unter anderem im Fachbereich Architektur assoziiert ist, war daran beteiligt, dass der Eingangsbereich der Uni (Karo5) und das Audimax weitgehend barrierefrei sind. Es gibt taktile Leitsysteme in Treppenhäusern und auf der TU-Webseite finden sich Pläne, die den schwellenlosen Zugang zu allen Unigebäuden aufzeigen. Sie hat dafür gesorgt, dass Studierende und Besucher mit Hörproblemen sich beim Eintritt in die Bibliotheken einen Vibrationsalarm ausleihen können, der anzeigt, falls es brennt. Sukzessive werden alle Hörsäle mit Empfangsgeräten für Gehörlose ausgestattet. Hopp vermittelt auch Schriftdolmetscher, wenn Studierende mit Einschränkungen Hilfe bei Prüfungen brauchen. Sie hat Pionierarbeit geleistet.    

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