Bock haben

Interesse als Leitfaden: Wie wichtig es ist, auf die eigenen Interessen zu vertrauen, zeigt Markus Weg vom IT-Chef zum Sozialpädagogen. Unten im Artikel findet ihr Tipps zum Informatik- und Sozialstudium in der Region. 

 

„Eigentlich habe ich immer nur gemacht, worauf ich Bock habe.“, sagt Markus und steckt sich ein Stück Dosa in den Mund. Bock haben, das ist roter Faden und Motor seiner professionellen Laufbahn. In der kommen zwei Bereiche zusammen, die sonst wenig miteinander zu tun haben. Markus, der erfolgreiche IT-Experte und Markus, der Pädagoge und Sozialarbeiter in einem Berliner Familienzentrum.

Fragt man ihn, wie diese beiden Seiten zusammengehen, ist die Antwort verblüffend einfach: In beiden Bereichen gehe es darum, Räume zu gestalten. Virtuelle Räume hier, Schutzräume für Familien dort. Mit dem Unterschied, dass seine Sozialarbeit im echten Leben stattfindet, nah an den Menschen ist, dort hilft und unterstützt.

Durchgestartet 

Von vorne. Markus kommt aus Frankfurt, macht dort Abitur und Zivildienst als Inklusionsbegleiter an einer Schule für Schwerstbehinderte. Schnell merkt er, dass ihn die Arbeit mit Menschen liegt, er „jederzeit hierhin zurück könne.“

Erstmal kommt es anders. Es ist die Zeit der ersten PCs und Netzwerke, der Aufbruch ins digitale Zeitalter. Alle wollen dabei sein, Markus reitet auf der Welle. Er transformiert sein Hobby in einen Beruf und baut sich eine Karriere als IT-Spezialist in der Frankfurter Agenturszene auf.

Gelernt hat er das nicht, geplant auch nicht: Er ist so reingerutscht, brachte sich das Programmieren autodidaktisch bei, hatte schon während des Abiturs kleinere Agenturjobs. Mit der Zeit werden die Aufträge größer, Markus wechselt vom Freelancer zum IT-Chef einer großen Agentur. Gutes Geld, schnelles Leben, kreative Arbeit. „Meine erste Festanstellung brachte mir im Monat mehr ein, als mein Vater mit 30 Jahren Berufserfahrung verdiente.“

Und dann kam das Internet

Irgendwann aber ist der Bock weg, Markus will was anderes. Er besinnt sich auf sein zweites Interessengebiet, die soziale Arbeit, und beginnt ein Studium an der Frankfurt University of Applied Sciences, damals noch FH Frankfurt. Intellekt und konkrete, wissenschaftliche Inhalte statt Kommerzialisierung. Markus reist viel, arbeitet nebenbei journalistisch, tut das, wofür vorher keine Zeit war. 

Doch dann kommt das Internet mit all seinen Möglichkeiten und zieht Markus in den Bann. Wieder gewinnen die virtuellen Räume über die sozialen, er wechselt vom Studenten zurück zum gut bezahlten Freelancer, baut seine erste Website für Sony Music und später Webshop und Netzauftritt vom Zweitausendeins-Verlag. 

Wer braucht schon Luis Vuitton?

Dann der Cut. Mitte der Zweitausender ziehen seine Partnerin und er nach Berlin, sie nimmt das Angebot einer Hochschule an. Markus findet hier nicht die Aufträge, die er in Frankfurt bekam. Die Szene ist anders, professionalisierter, mit differenzierten Strukturen, die in seinem Arbeitsbereich keine kreative Leistung mehr vorsehen.

Jetzt passt es wieder, er geht seinem Interesse an sozialer Arbeit nach. Markus schwankt zwischen Ausbildung und Studium und entscheidet sich für letzteres: Die akademische Bildung, das Erlernen verschiedener Methoden, der analytische Blick und die Möglichkeit zum Perspektivwechsel sind ihm wichtig.

Markus beginnt ein Studium der Kindheitspädagogik an der Alice Salomon Hochschule Berlin. Ein kleines Fach mit vierzig Erstsemestern, familiären Gruppen, engmaschiger Betreuung. Markus liebt es. Nachdem die Reserven aufgebraucht sind, macht er im ersten Jahr Nachtschichten im Späti, danach findet er Anstellungen als Erzieherhelfer in Kindergärten, dazu kommen Praktika. Die Umstellung vom gut bezahlten Beruf zum Studenten ist ihm leichtgefallen: „Ums Geld ist es mir nie gegangen. Ich habe einfach kein Louis Vuitton mehr gekauft.“

Der beste Beruf

Nach dem Studium arbeitet Markus in Kindergärten, wechselt dann als Sozialarbeiter in das Familienzentrum, wo er mit einer Kollegin und freien Mitarbeitern bildungs- und arbeitsferne Familien unterstützt. Gemeinsam reisen sie, sie basteln, malen, reden, arbeiten mit Künstlern. Gibt es am Ende ein Foto auf dem alle lachen, ist einiges gewonnen.

Die konkrete Arbeit an und mit den Menschen liegt Markus. Wenn er ihnen Wege und Handlungsmöglichkeiten aufzeigen kann, die zu einem besseren Miteinander führen, dann hilft er ihnen auch dabei, ihren familiären Raum gemeinsam besser zu machen. Er schafft „einen guten Ort“. „Das ist der beste Beruf von allen“, sagt Markus. Und die negativen Seiten? Gibt es, klar. Schlimme Situationen, überforderte Familien. Muss man aushalten, wenn man diesen Beruf will. Im Idealfall hilft man dabei, es besser zu machen.

Epilog

Markus Weg ist nicht reproduzierbar, als IT-Experte war er mit dem richtigen Wissen zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Von Nachahmungen rät er ab, stattdessen gibt er drei allgemeine Ratschläge: 

1. Kenne deine Interessen.

2. Such dir den Rahmen, in dem du sie ausleben kannst und versuche rauszufinden, wie es sich dort anfühlt. 

3. Ausbildung zählt! Ein Studium gibt dir eine gute Basis, eröffnet verschiedene Perspektiven damit Zugänge in viele unterschiedliche Bereiche. Studiere, wenn du die Möglichkeit hast.

Auf der hobit

Die Evangelische Hochschule Darmstadt (Ebene 1 / Stand 103) ist auf Studiengänge im Sozial- und Gesundheitswesen spezialisiert, zum Beispiel kann man dort Childhood Studies studieren.

Die Fachbereiche Informatik an der Technischen Universität Darmstadt (Informatik: Ebene 1 / Stand 179) und der Hochschule Darmstadt (Informatik: Ebene 1 / Stand 176/177) bieten unterschiedlichste Studiengänge an.

Außerdem gibt es an der TU Damstadt einen Pädagogik-Studiengang (Ebene 1 / Stand 115) an, an der Hochschule Darmstadt Angewandte Sozialwissenschaften (Ebene 1 / Stand 113) und Soziale Arbeit (Ebene 1 / Stand 116).

 

Lasst euch auf der hobit inspirieren und beraten!

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Die Hochschul- und Berufsinformationstage sind eine Veranstaltung von:

  • Bundesagentur für Arbeit
  • Evangelische Hochschule Darmstadt
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Unterstützt von der Stadt Darmstadt, dem Kreis Darmstadt-Dieburg und dem Kreis Groß-Gerau.