Keine Angst vor dem Leben

Die Weltmeisterin und Fußball-Nationalspielerin Steffi Jones und der Techno-DJ, Musiker und Club-Besitzer Ata Macias sind Kämpfer und Optimisten zugleich. Bei der hobit-Veranstaltung Twist am Dienstagnachmittag machten sie jungen Menschen Mut, offen zu sein und auf ihre Stärken zu vertrauen.

 „Lebenskünstler“ antwortet Ata Macias, als Moderator Markus Philipp ihn nach seinem Beruf fragt. Eine Frage, die tatsächlich nicht ganz eindeutig zu beantworten ist. Der Frankfurter ist vieles zugleich: Techno-DJ, Musiker, Restaurantbesitzer, er betreibt Bars und in Offenbach den legendären Club „Robert Johnson“, der zu einem der besten deutschland- und weltweit zählt. Dem „Lebenskünstler“ griechischer Abstammung widmet das Frankfurter Museum für Angewandte Kunst im September 2014 sogar eine Ausstellung, in der T-Shirts, Plakate, Schmuck, Plattencover oder auch Möbel aus seinen Clubs zu sehen sind, die Macias entworfen hat.

„Gelernt habe ich eigentlich Raumausstatter“, erzählt der 48-Jährige. Innenarchitekt war sein Traum, doch er war Realschüler. Für ein Studium habe es nicht gereicht, sagt er. „Doch als junger Mensch muss man sich fragen: Was finde ich interessant. Ich interessierte mich fürs Gestalten.“ Also wählte er den Lehrberuf Raumausstatter.

Ata Macias ist von kleiner Statur. Er trägt Bart und Jogginghose. Er braucht keine Designeranzüge für sein Ego. Er wuchs in einem schwierigen Viertel in Frankfurt auf, verlor seine Mutter schon mit 18 Jahren. „Es war ein harter Weg ab 18, aber ich wollte da raus und ich habe es geschafft“, erzählt der heute erfolgreiche Unternehmer. Eine Willenskraft, die auch Steffi Jones in sich trägt. Auch sie stammt aus schwierigen Verhältnissen, lebte als Kind einer deutschen Mutter und eines schwarzen US-Soldaten in Frankfurt-Bonames. Als Mischlingskind wurde sie gehänselt, der Vater verließ die Familie, als sie noch klein war, ihr älterer Bruder rutschte ins Drogenmilieu ab und ihr jüngerer verlor als US-Soldat beide Beine im Irakkrieg. „Schicksalsschläge prägen. Man wird getrieben und kann nicht immer alles selbst beeinflussen“, sagt sie.

Man muss offen sein
 

Fußball ist ihr Leben, aber sie hat auch eine Ausbildung gemacht, erzählt sie bei TWIST. „Studieren war nicht mein Ding“, gibt Steffi Jones zu. Sie lernte Groß- und Außenhandelskauffrau. „Fußball-Nationalspielerin zu sein war schon früh mein Ziel, aber ich habe auch im Supermarkt gearbeitet, bei einem Partyservice, bei Kreditkartengesellschaften und sogar in einem Dessous-Laden“, lacht Jones.

Dass sie heute Direktorin beim Deutschen Fußball Bund ist und demnächst die National-Elf der Frauen trainiert, mit dieser Karriere hat sie nie gerechnet. „Das hätte ich mir nie träumen lassen. Aber es geht. Man muss nur offen sein“, sagt sie. Demnächst Bundestrainerin zu sein, sei für sie eine andere, neue Welt. „Das genieße ich sehr, aber ich arbeite auch hart daran.“

Steffi Jones fürchtet sich nicht vor Veränderungen oder Fehlern und rät jungen Menschen, auch den Mut zu haben, etwas abzubrechen, „wenn man merkt, es passt nicht zu mir.“ Auch Ata Macias hat keine Angst vor dem Leben. Und auch keine Zweifel. „Man muss öfter in sich reinhören, ohne aber dauern alles zu hinterfragen. Ich habe mich die meiste Zeit auf mein Bauchgefühl verlassen“, berichtet er. Demnächst steht wieder eine Wende in seinem Leben an. Mit Frau und Kind will er nach Italien ziehen und Ökobauer werden. „Ich will aufs Land, etwas anbauen. Das entschleunigt“, findet er. Sein kleiner Sohn dagegen will Feuerwehrmann werden.

Die Hochschul- und Berufsinformationstage sind eine Veranstaltung von:

  • Bundesagentur für Arbeit
  • Evangelische Hochschule Darmstadt
  • h_da
  • Technische Universität Darmstadt
  • Vereinigung der Hessischen Unternehmensverbände